Pinot Noir

Pinot Noir: Der König unter den Weinen

Pinot Noir - schon der wohlklingende Name lässt einen außergewöhnlichen Wein vermuten. Tatsächlich ist es eine in vieler Hinsicht herausragende Rotweintraube - von der Lage und dem Terroir über die Kelterung bis hin zur Lagerung. Selbst zur Qualität von Champagner und anderen Schaumweinen trägt Pinot Noir maßgeblich bei. Zudem ist der Rotwein auch in Kombination mit Speisen und Anlässen sehr vielseitig.

Ursprung von Pinot Noir

Wein

Der Ursprung der Rebsorte ist nicht eindeutig belegt. Es wird vermutet, dass die Traube aus der Region zwischen Frankreich (Rhone Tal) und der Schweiz (Genfer See) stammt. Eventuell stammt sie direkt von Wildreben ab oder entstand ohne menschliches Zutun aus einer natürlichen Kreuzung zwischen den Rebsorten Traminer und Schwarzriesling. Als gesichert gilt, dass Zisterzienser Mönche die Rebsorte 1335 aus dem Burgund auf den Steinberg brachten, der zum Kloster Eberbach in Rheingau gehörte. Aus dieser Region stammt auch das erste Dokument zum Anbau von Spätburgunder. Gleichzeitig ist dieses Dokument aus dem Jahr 1470 das erste, welches Rotweinanbau im Rheingau erwähnte.

Pinot Noir
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Der Ursprung der Rebsorte ist nicht eindeutig belegt.

Von den Römern bis heute - viele Namen, aber nur ein Wein

Als klassische fränkische Rebe handelt es sich um eine Sorte, die wahrscheinlich schon seit mehr als 2.000 Jahren angebaut wird. Allerdings war der Rotwein über Jahrhunderte unter anderen Bezeichnungen bekannt: als Morrillon, Auvernat, Noirien in den traditionellen Anbaugebieten, insbesondere im Rheingau als Clebroit bzw. Klebroth in Deutschland, in Südtirol als Bourgoigne Noir und in Österreich als Blauburgunder. Selbst antike römische Schreiber berichten von einem Spätburgunder, der als Pinot Noir zugeordnet werden könnte. Heute ist der größte Hersteller Frankreich, gefolgt von den USA (Oregon) und an drittem Platz Deutschland. Weltweit liegt Pinot Nero unter den zehn am häufigsten angebauten Rebsorten hinter Weinen wie Chardonnay oder Merlot.

Vom Anbau bis zur Herstellung ein anspruchsvoller Wein

Das ist insofern beachtlich, als die Rotweintraube als schwierig und problematisch gilt. Die Rebe bevorzugt mittelschwere, kalkhaltige Böden. Die Lage ist nicht minder wichtig, da die Rebsorte Temperaturschwankungen nur sehr schwer verkraftet. Die Balance aus Sonne und Schatten muss stimmen. Die Rebsorte gilt als weitgehend frostsicher. Dennoch ist später Frost im Frühjahr problematisch, da der Wein sehr früh austreibt.

Die walzenförmigen Beeren, denen der Wein seinen heutigen Namen verdankt, sind ausgesprochen dünnhäutig. Diese Anforderungen können schnell zu Beeren- und Stielfäule führen. Überhaupt ist der schwarze Pinot sehr empfindlich gegen typische Weinschädlinge. Die Lese muss zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt werden, da der Wein sonst schnell an Komplexität und Feinheit verliert. Auch einen zu dichten Anbau verzeiht die anspruchsvolle Rebsorte nicht; der Wein wird bei zu intensiver Bewirtschaftung farblos, verliert an Farbe, Finesse und Fruchtigkeit.

Komplex und kapriziös - wenn der Winzer sein Handwerk beherrscht

Was uns zum Keltern des Weins führt, denn im Weinkeller sind die Anforderungen ebenfalls ausgesprochen hoch. Es sind wieder die dünnen Schalen der Beeren, die das Extrahieren erschweren. Im Prinzip gibt es zwei gegensätzliche Techniken, die beim Pinot Noir Anwendung finden: entweder das modernere kalte oder das traditionelle warme Vergären. Die Extraktion erfolgt extrem schonend. Es bedarf großer Erfahrungen des Winzers, möglichst viele Farb- und Aromastoffe zu entziehen, ohne zu viele Bitterstoffe (Gerbstoffe) mit zu extrahieren. Farblich sollten beide Techniken zum Extrahieren zu unterscheiden sein.

Bei der Kaltmazeration erhält der Spätburgunder eine enorme Farbtiefe und ein unverkennbar fruchtiges Aroma. Beim Warmvergären sind die anschließenden Weine deutlich heller und weniger fruchtig. Neben einem Rotwein, der von zahlreichen Weinkennern als königlich erachtet wird, findet auch eine Verarbeitung zu Pinot-Noir-Schaumwein, zu Rosé und zu Blanc et Noir (Weißwein aus Rotwein) statt. Bei der Herstellung von Champagner trägt der Spätburgunder ein hohes Maß am Geschmack bei. Wie bei anderen Schaumweinen erhält ein guter Champagner seine Fülle und Fruchtigkeit insbesondere durch die Zugabe von Pinot Noir.

Das Aussehen des Weins kann sich aufgrund der verschiedenen Techniken beim Keltern maßgeblich unterscheiden. Die Farbvariationen reichen von einem hellen Rot bis hin zu Rubinrot mit blau-violettem Stich. Traditionell waren Weine aus dieser Rebe rostrot. Eine stärkere Oxidation des Weins heute deutet aber eher einen Befall von Beerenbotrytis an. Das fruchtige Bouquet erinnert bei einem jungen Pinot Nero an Brombeeren, eventuell an Kirsche, Erdbeeren und einem Hauch von Zimt. Ältere Weine dagegen sind nussiger, gefolgt von einem zarten Bitter mit blumigen Veilchen.

Große Unterschiede nach Winzer, Lage und Terroir

Neben Lage, Terroir, Zeitpunkt der Lese bestimmen auch Faktoren wie Herstellung, Lagerung und natürlich das Mikroklima während des Anbaus den Geschmack des Weins erheblich. Daher ist es sinnvoller, diese Attribute vor allen an Winzern und deren Terroirs festzumachen. Besonders kapriziöser und aromatisch komplexer Pinot Nero wird inzwischen auch deutschen Herstellungen nachgesagt, die denen in Champagne und Burgund ebenso wenig nachstehen wie die in Südtirol und Toskana. In Österreich kommt dieser Rotwein aus dem Burgenland.

Ein ansprechender Wein für jeden Anlass

Der Pinot Noir ist ein Wein, der sofort getrunken werden kann. Nur herausragende Jahrgänge eignen sich für eine Lagerung, die aber zwei bis zwanzig Jahre nicht überschreiten sollte. Gut gekühlt eignet sich der schwarze Pinot als Aperitif zu würzigem Käse. Zu Hauptspeisen wird er wärmer getrunken. Hier ist er besonders vielseitig; Kalb, Schwein, Geflügel, Pilzgerichte und Speisen mit Kartoffeln rundet ein guter Pinot Nero ab. Übrigens zählt Pinot Noir zu den wenigen Weinen, die nicht mit anderen Rebsorten verschnitten werden. All das verleiht dem Rotwein seinen besonderen Charakter. Manch ein Weinkenner spricht gar vom König der Weine.

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