Primitivo

Primitivo: Würzige Weine aus Italien

Primitivo lautet der Name einer Rebsorte, die in Italien gedeiht. Aus ihren Trauben entstehen verschiedene Sorten wie Rotwein oder Rosé. Manduria ist die bekannteste Anbauzone für die Weinpflanze. Allerdings wachsen ihre Reben auch in der Region um Puglia. Außerdem gedeihen ähnliche Rebsorten seit 1825 in den USA, wo sie unter dem Namen Zinfandel bekannt sind.

Mittlerweile nutzen sogar italienische Winzer diese Bezeichnung, die aus einem sprachlichen Missverständnis entstand.

Rote Reben mit viel Zucker

Wein

Ursprünglich stammt die Sorte aus dem kroatischen Crljenak, wobei ein östlicherer Ursprung vermutet wird. Geschmacklich bestehen mittlerweile recht deutliche Unterschiede. Klimatische Bedingungen und geographische Eigenheiten wirkten auf die Rebsorte, die amerikanische, kroatische und italienische Winzer seit mehr als 200 Jahren kultivieren. So erklären sich weitere Unterschiede zwischen den Rebsorten, deren gemeinsamer Ursprung mittlerweile auf DNS-Ebene bewiesen ist. Seit 1919 gehört die amerikanische Variante zu den wichtigsten Rebsorten in den Vereinigten Staaten. Dort erfreute sich der Zinfandel bereits zu Zeiten der Prohibition großer Beliebtheit. Zugleich begeisterten sich Europäer für den Primitivo, der wie sein amerikanischer Ableger vor allem auf flachen Böden gedeiht.

Primitivo
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Primitivo lautet der Name einer Rebsorte, die in Italien gedeiht.

Grundsätzlich zeichnet sich sämtliche Früchte durch ihren starken Zuckeranteil aus. Durch Verarbeitung und anschließende Reifung entstehen Weine, denen ein hoher Alkoholgehalt von 13 bis 15 Prozent eigen ist. Die italienische Variante besitzt meist ein süßliches und fruchtiges Aroma, das oft an Zimt, Pflaumen sowie dunkle Waldfrüchte erinnert. Sie entstehen aus den dicht wachsenden Trauben, die an den wolligen und behaarten Weinpflanzen gedeihen. Kennzeichnendes Merkmal sind ihre großen Blätter, die teils sieben- oder sogar neunlappige Ausformungen aufweisen. Wenn der Herbst beginnt, erhalten diese Blätter ihre rötliche Farbe, wobei die walzenförmigen Trauben dringlichst auf ihre Lese warten. Die mittelgroßen Beeren besitzen dann eine blauschwarze Farbe.

Dunkle Trauben aus Italien

Die bekanntesten Sorten entstehen in den italienischen Provinzen Tarent und Brindisi. Bei der Verarbeitung trocknen die Trauben, bevor eine Vinifizierung erfolgt. Dabei nutzen italienische Winzer spezielle Trocknungsvorrichtungen. Manchmal erfolgt die Trocknung auch am Rebstock, was Kenner als Appassimento bezeichnen. Zuvor ist die Rebe anfällig für Grauschimmelfäule (lat.: Botrytis cinerea). Während weitere Krankheiten keine größeren Bedrohungen darstellen, stellt das Reifeverhalten der Reben die Winzer vor größere Herausforderungen.

Unter den dicht wachsenden und sehr dunklen Trauben, die Produzenten rasch verarbeiten müssen, finden sich oftmals unreife Beeren, die noch grün sind. So müssen die Winzer von Hand nachlesen, was viel Zeit kosten kann. Eine volle Reifung tritt aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht immer ein. Besonders in heißen Sommern warten viele Winzer nicht auf die Vollreifung. Schließlich besteht die Gefahr einer Überreife, die in Kombination mit einer Edelfäule zu schweren Qualitätseinbußen führen kann.

Gemeinsame Herkunft der Sorten

In den 1960er Jahren bereiste der amerikanische Pflanzenpathologe Austin Goheen italienische Weinbauregionen. Dabei fiel ihm der Primitivo auf, sodass er diese Sorte nach Kalifornien brachte. In den USA verglich der Wissenschaftler seine Entdeckung mit dem dortigen Zinfandel. Seine Untersuchungen legten nahe, dass beide Sorten identisch sind. Ein endgültiger Beweis stand aber noch aus. Erst 1999 gelang Carole Meredith, die als Professorin für Önologie an der Universität in Davis wirkte, eine eindeutige DNS-Bestimmung, wodurch die gemeinsame Herkunft der Klone beweisbar war. Weitere Nachforschungen von Meredith und ihrem Team ergaben, dass die Ursprungsrebe aus Kroatien stammt.

Ende 2001 war die Pflanze gefunden, die in Italien als Primitivo und in den USA als Zinfandel bekannt ist. Crljenak Katelanski, so die kroatische Bezeichnung, gedeiht seit vielen Jahrhunderten in der Adria-Region. Die ursprüngliche Herkunft der Reben ist aber weiter unklar. Forscher vermuten, dass diese Weinpflanze ursprünglich aus Gegenden stammt, die weiter östlich gelegen sind. So könnte die Rebsorte ursprünglich in Griechenland entstanden sein. Ein endgültiger Beweis steht aber noch immer aus.

Beliebte Klassiker aus Italien

Währenddessen bleiben italienische Weinsorten recht populär: Primitivo di Manduria Dolce Naturale ist besonders beliebt. Der süßliche Wein entsteht zu einhundert Prozent aus Trauben der Rebsorte. Für Geschmacksqualität steht zudem der Primitivo di Manduria, der reifen sollte, bevor er in den Verkauf gelangt. Wenn dieser Wein die Bezeichnung Riserva trägt, lagert er mindestens zwei Jahre, wobei er mindestens 9 Monate im Holzfass verbringt. Er besitzt einen weichen und komplexen Geruch, der an Pflaumen erinnert. Zertifizierte Winzer produzieren trockene und restsüße Variationen, die durch Lagerung an Qualität gewinnen.

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