Wein

Wein Billig

Im Geschmackstest der Fachzeitschrift „Wein Gourmet“ schnitten sie jedoch schlecht ab. Nicht so prickelnd, aber auch mit Mythen umwoben, ist ein weiterer südafrikanischer Export: Wein. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte damals, er werde keine Flasche Weißwein kaufen, „die nur fünf Euro kostet“. Der Preis für Wein ist im Sturzflug. Die Weinkarte des Hamburger Restaurants war voll.

Mit einem Weinkellner haben wir billigen Wein ausprobiert.

Betrinken Sie sich mit Style unter drei Euros. Exakt noch einmal billiger Bier-Test: Sehr bequem ein Paar eklige Alkoholflaschen öffnen, hintereinander ausprobieren, die Resultate in ein Auswertungssystem eingeben, sich in den Händen halten und sich mit Kugelschreiber die ersten Namen tätowieren. Einen tollen Tag im Dienst unserer billigen, weintrinkenden Leser, auf den wir uns alle sehr freuten.

Jemand kam auf die Idee, einen echten Weinkellner zu unserer billigen Weinprobe mitzubringen. Den Ausschlag gab der viel beachtete Berliner Gastwirt namens Richard Zimmermann. Auf die Frage antwortete er extrem kritisch, versprach aber, uns zwei Stunde seiner Zeit und Klugheit zu geben.

Bei seiner Ankunft erschien ihm unsere schillernde Kollektion jedoch alles andere als beeindruckend. Er schaute mit offener Unzufriedenheit auf die Billigetiketten und sagte uns, dass wir viel zu viel Wein für eine richtige Verkostung hätten. „Er meckerte: „Weil du es nicht gewöhnt bist, solltest du nicht mehr als sechs Tropfen trinken.“

„Als Fachmann kann ich etwa 30 Tropfen probieren, aber der Normaltrinker ist bereits völlig abstumpfend. „Wir haben uns endlich darauf geeinigt, uns auf sechs Rot- und sechs Weißweine zu beschränken.“ „Wenn ihr so viel getrunken habt, seid ihr die einzigen Idioten.“ Allmählich wurde uns klar, dass er das sehr ernst nahm.

Mit dem ersten Wein, einem 2011er Laminat von S. Crèce (2,49 EUR bei Lidl), winkte man unsere Gläschen, damit sich der Duft des Weins im Weinglas richtig ausbreiten konnte. Aber zuerst mussten wir „Sichtkontakt mit dem Wein herstellen“, um die Färbung und Sauberkeit des Getränkes zu bewerten.

Er sah aus wie Himbeer Limonade mit Geschirrspülmittel („ein beinahe schlampiges Rot“, findet Billy). Er riecht nach Chemie, lieblich wie Kopfschmerzen. „Falls du es riechst, ist es dir wichtiger, dass du denkst, dass du es in deinen Maul stecken willst – sonst lass es bitte los“, warnte er. Da wurden die Kolleginnen immer ungeduldiger, sie wollten das Material saufen.

Mit einem eisigen Gesichtsausdruck hat er ihn auch bestraft. Es ging los, und für ein wenig Zeit konnten wir nur Klatschen vernehmen, eng begleitet von dem wunderschönen Klang, den neun Mäuler machen, wenn sie den Wein beinahe zeitgleich in Fässer speien. Die Weine schmeckten wie erwartet schlecht. „Er hat keine Tiefgang und keine Länge“, urteilt er.

„Lidls Lidls Lammfell wird also in den nächsten Jahren nicht mehr im Hause der Firma Noblehart & Schmutzige zu haben sein. Das ist natürlich auch nicht die Hauptzielgruppe dieser Weinsorten. Bei den Lambruscos war der Preis mit 2,49 EUR einer der höchsten in unserer Sammlung, für andere haben wir nur 99 Cen.

Damit sie so billig absetzen können, machen die Hersteller natürlich gewaltige Einschnitte in der Fabrik. Allein die Trinkflasche kostete 1,50, vielleicht zwei Euros. Man kauft gemeinsam mehrere tausend l Wein aus dem ganzen Lande oder gar dem ganzen Erdteil und spritzt den Wein nach exakt definierten Mengen.

Die Weingüter erwerben teilweise gar unvollendeten Traubenmost, den sie dann in kurzer Zeit zu Wein aufgären. „Es hat nichts mit Weinkellerromantik zu tun“, sagt er. „Ein hochindustrialisiertes Erzeugnis, bei dem es um Wirtschaftlichkeit geht.“ „Das Ergebnis ist, dass einige Weinflaschen, die 15 Cents kosten, mehr kosten als der Wein selbst.“

Noch weniger beliebt war der zweite Wein, ein so genannter Vinotinto der Sorte „Espana“ (1,59 EUR für Lidl). Dasselbe meinte auch Billy: „Jetzt weißt du, warum du speien sollst, oder? „Es ist verständlich, dass sich ein Weinkellner über den ganzen billigen Weinhandel ärgert.“ In Supermärkten und Discountern werden drei von vier Flaschen Wein in ganz Europa verkauft.

Nach Angaben des DWI beträgt der durchschnittliche Literpreis 2,97 EUR. Es ist eine Tragödie. Wäre es nach ihm, würdest du weniger, aber besser Wein konsumieren, wenn du nicht so fett an der Theke wärst. „Für fünf Dollar bekomme ich einen Wein, der keine Kopfschmerzen verursacht, oder?“

„Wieso solltest du das tun wollen?“ ruft er. Doch der Wein kommt in deinen Leib! Du musst es den Menschen erzählen, wenn sie etwas austrinken! „schimpfte er, während er den „König Artus Rotwein“ aus Moldawien servierte (1,59 EUR bei Aldi). Der Wein wurde einst von der Toskana als „vernünftig trinkbar“ klassifiziert.

Inzwischen haben wir einen schönen Takt gefunden: Wir schnuppern, riechen und schnuppern, und schreiben unsere Noten auf, und dann erzählt er, warum er den Wein haßt. Der Wein löste bei ihm immer wieder neue Aggressionen aus. Inzwischen sind wir beim Punkt Lebensmittel angelangt. Man will kein gutes Futter kaufen, also isst man Mist.

„Was, wenn du nicht das nötige Kleingeld hast, um Bio-Hähnchen für 15 Dollar zu kaufen?“ „rumpelt Billy.“ „Irgendjemand muss es tun“, meckert er. Wer gut Wein trinkt, muss nicht unbedingt satt sein. Man kauft Wein ab zehn Euros, und zwar nicht im Laden, sondern immer in der Weinhandlung.

„Es gibt jemanden, der dir gute Wein anbieten will“, so er. Und je mehr Wein man trinkt, desto schwerer wird es, ein solches Pörre in einen zu gießen. „Deshalb will ich erst mit 35 Jahren gute Tropfen genießen, also werde ich frische Luft atmen!“ Er ist dabei, es mit einem Schraubenzieher zu schnitzen.

Inzwischen sind wir an die letzte Flasche herangekommen. Tatsächlich waren sie alle recht schrecklich, aber die weissen waren einfacher zu saufen, weil sie eiskalt waren. Dennoch konnten wir uns auf einen Wein einigen, den wir alle „am unangenehmsten “ fanden: den „Rivaner Weißer Burgunder“ (1,79 EUR bei Aldi). „Er stinkt nach Wein „, konnte sich eine minimale Wiedererkennung einfangen.

Die folgende Abbildung ist in keiner Hinsicht eine Weiterempfehlung von Herrn Wagner für den Aldi-Wein. Es ging nicht besser und wir waren alle glücklich, als wir die zwölf Tropfen im Detail durchgesaugt haben. Nach eineinhalb Stunden Fahrt durch die knebelnde Weinwelt war auch er müde; am Ende mangelte ihm selbst die Stärke, uns weiter zu beleidigen.

Er rüttelte uns allen die Hand und fuhr davon wie ein Mann, der alles versuchte und immer noch große Zweifler hatte. Sofort nach seiner Abreise warfen wir uns erleichternd auf die schrecklichen Tropfen, damit wir sie endlich nach Belieben schlucken konnten, ohne dem grausamen Anblick des Fachmanns auszusetzen?

Dass sich guter Wein auszahlt, hat uns allerdings die Aufmerksamkeit erregt. Man muss nicht zwangsläufig zu echten Wein-Snobs werden, noch wissen wir, was Gerbstoffe sind, um zu begreifen, dass es Menschen gibt, die viel Mühe und viel Freude in ihre Erzeugnisse einbringen.

Daniela Papst

Daniela Papst ist Weinliebhaberin und verköstigt Rebensaft aller Couleur. Wie die meisten Deutschen trinkt sie am liebsten heimische Weine, dicht gefolgt von italienischen und französischen. Aber auch die edlen Tropfen aus Down Under haben es ihr angetan. Auf weintrend.com bloggt Daniela über Ihre Erfahrungen und gibt Tipps für Weinliebhaber.

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