Wein

Die richtige Serviertemperatur für Weiß- und Rotwein

Die Serviertemperatur entscheidet, ob ein Wein sein volles Aroma entfaltet. Zu kalter Weißwein schmeckt flach und säuerlich, zu warmer Rotwein alkoholisch und marmeladig. Wer die Flasche vor dem Einschenken richtig temperiert, bekommt mehr Geschmack, ohne mehr zu bezahlen. Ein Weinkühlschrank ist dafür nicht nötig, ein Thermometer und etwas Geduld genügen.

Warum die Temperatur so viel verändert

Die Temperatur beeinflusst, wie schnell sich Aromastoffe aus der Flüssigkeit lösen und zur Nase steigen. Bei niedrigen Temperaturen bleiben viele dieser Stoffe gebunden, der Wein wirkt reduziert und zeigt vor allem Säure. Steigt die Temperatur, werden die Aromen flüchtiger. Der Wein duftet dann intensiver, wirkt aber auch alkoholischer. Der ideale Punkt liegt dort, wo Frucht, Säure und Alkohol in Balance sind.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein roter Côtes-du-Rhône bei Zimmertemperatur schmeckt fruchtig überladen, marmeladig und brennt im Rachen. Dieselbe Flasche etwas kühler serviert zeigt eine schöne, aber nicht dominierende Frucht, eine klare Struktur, würzige Noten und gut eingebundene Tannine. Allein die Temperatur macht den Unterschied zwischen Genuss und Enttäuschung.

Weißwein: kühl, aber nicht eisig

Zu kalter Weißwein verliert seine aromatische Identität. Übrig bleibt ein Säuregerüst, das hart und unfreundlich wirkt. Das passiert schnell, wenn die Flasche direkt aus dem Kühlschrank kommt. Bei dieser Temperatur nehmen Sie vor allem Kälte wahr, nicht den Wein.

Ein leichter, frischer Weißwein wie ein Sauvignon Blanc oder ein junger Riesling entfaltet sich am besten bei kühlen Temperaturen. Ein vollmundiger, im Holzfass gereifter Weißwein wie ein Chardonnay aus Burgund oder Kalifornien verträgt etwas wärmere Temperaturen. Nehmen Sie die Flasche rechtzeitig vor dem Einschenken aus dem Kühlschrank, wenn Sie keinen Weinkühler mit präziser Einstellung haben. So gleicht sich die Temperatur langsam an und der Wein zeigt seine feinen Aromen, ohne dass die Frische verloren geht.

Rotwein: nicht Zimmertemperatur

Der alte Rat, Rotwein bei Zimmertemperatur zu servieren, stammt aus Zeiten, in denen Wohnungen deutlich kühler waren. In heutigen, oft stark beheizten Räumen ist diese Temperatur für die meisten Rotweine zu hoch. Der Alkohol tritt in den Vordergrund, die Frucht wirkt überreif und die Tannine können hart und bitter schmecken.

Ein leichter, fruchtiger Rotwein wie ein Beaujolais oder ein junger Spätburgunder trinkt sich am besten bei etwas kühlerer Temperatur. Kräftige, tanninreiche Weine wie ein Bordeaux oder ein Barolo zeigen ihr volles Potenzial bei etwas wärmeren Temperaturen. Eine Flasche, die bei Zimmertemperatur steht, sollten Sie daher vor dem Öffnen für einige Zeit in den Kühlschrank stellen. Das klingt ungewöhnlich, funktioniert aber zuverlässig, um die Temperatur in den optimalen Bereich zu senken.

Wein richtig temperieren

Sie brauchen keine teure Ausstattung, um die richtige Temperatur zu treffen. Ein einfaches Küchenthermometer oder ein spezielles Weinthermometer, das Sie in die Flasche stecken, zeigt Ihnen den Ist-Zustand. Damit wissen Sie, ob Sie kühlen oder warten müssen.

Zum Kühlen eignen sich ein Weinkühler mit Eiswasser oder ein kurzer Aufenthalt im Kühlschrank. Ein Eimer mit Eiswasser kühlt schneller als das Kühlschrankfach, weil das Wasser die Wärme besser ableitet als Luft. Ist die Flasche zu kalt geworden, wärmen Sie sie in einem Wasserbad mit lauwarmem Wasser auf oder lassen Sie sie bei Raumtemperatur stehen. Die Mikrowelle oder ein Heizstrahler sind tabu, weil sie den Wein ungleichmäßig erhitzen und das Aroma zerstören.

Planen Sie etwas Zeit ein. Eine Flasche aus dem Kühlschrank braucht einige Zeit, um sich anzupassen, und eine Flasche aus dem warmen Zimmer ebenfalls. Diese Zeiten variieren je nach Flaschengröße und Umgebung, geben Ihnen aber eine gute Orientierung.

Ausnahmen und Feinheiten

Nicht jeder Wein folgt denselben Regeln. Süße Weine wie ein Sauternes oder eine Beerenauslese schmecken bei kühlen Temperaturen am besten, weil die Kälte die Süße ausbalanciert. Schaumweine wie Champagner servieren Sie bei niedrigen Temperaturen, damit die Kohlensäure feinperlig bleibt. Bei gereiften Rotweinen mit viel Tannin lohnt es sich, die Temperatur eher am oberen Ende der Skala zu wählen, damit sich die Struktur öffnet.

Auch der Anlass spielt eine Rolle. Bei einem sommerlichen Grillabend darf ein leichter Rosé ruhig etwas kühler sein, als es die Idealwerte vorgeben, weil er sonst im Glas schnell warm wird. Umgekehrt sollten Sie bei einem langen Essen bedenken, dass der Wein im Glas nach und nach wärmer wird. Eine Flasche, die kühl serviert wird, erreicht nach einiger Zeit im Glas oft schon eine wärmere Trinktemperatur. Wer das weiß, kann die Ausgangstemperatur bewusst etwas niedriger wählen.

vsadmin

Your Header Sidebar area is currently empty. Hurry up and add some widgets.