Servieren und Lagern

Fehler bei der Weinbewertung: Falsches Licht und trübe Gläser

Bei der Weinbewertung beeinflussen Licht, Hintergrund und Glas, wie die Farbe wirkt. Für einen fairen Vergleich verwenden Sie gleichbleibendes, möglichst neutrales Licht und ein klares Glas. Die Farbe gibt Hinweise auf den Wein, beweist aber weder seine Qualität noch seinen Geschmack.

Wein bei neutralem Licht beurteilen

Kerzenlicht oder farbige Lampen erschweren den Farbvergleich; das gilt auch bei Dämmerung und direkter Sonne, denn derselbe Wein wirkt je nach Licht anders. Eine Untersuchung mit sechs Weinen zeigte: Beleuchtung, Lichtstärke und Messweise beeinflussen, wie Menschen die Farbe wahrnehmen. Daraus lässt sich kein allgemeiner Helligkeitswert für Verkostungen zu Hause ableiten.

Nutzen Sie eine gleichmäßige, möglichst neutrale Beleuchtung und halten Sie das Glas vor eine weiße Fläche, zum Beispiel ein Blatt Papier. Vergleichen Sie mehrere Weine nach Möglichkeit am selben Ort und unter denselben Bedingungen. So vermeiden Sie, dass ein Wechsel der Lichtquelle wie ein Unterschied zwischen den Weinen erscheint.

Licht beeinflusst auch Erwartungen beim Probieren. Studien zeigen, dass farbiges Licht im Raum die Wahrnehmung verändern kann, wobei die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen. Beschreiben Sie die Farbe daher zuerst sachlich, bevor Sie daraus Erwartungen an Süße, Fülle oder Frische ableiten.

Trübung im Glas erkennen

Prüfen Sie zuerst, ob das Glas klar und trocken ist. Ein Beschlag, Wasserflecken oder ein milchiger Film erschweren die Sicht auf den Wein. Wie stark solche Rückstände die Beurteilung der Weinfarbe beeinflussen, lässt sich nicht verlässlich beziffern. Wenn Sie unsicher sind, schenken Sie eine kleine Menge in ein sauberes, klares Glas um.

Ein milchiger Eindruck kann auch vom Wein selbst kommen. Schauen Sie bei gutem Licht und vor hellem Hintergrund erneut hin, bevor Sie eine Trübung dem Wein zuschreiben. Bei Schaumwein beeinflusst die Sauberkeit des Glases das Erscheinungsbild der Bläschen, sodass das Blasenbild allein kein verlässliches Urteil über die Weinqualität erlaubt.

Farbe richtig beschreiben

Neigen Sie das Glas leicht und betrachten Sie den Wein vor dem weißen Hintergrund. Bei Weiß- und vielen Roséweinen beurteilen Sie die Farbe am besten durch eine Stelle, an der genug Wein im Glas steht. Bei stark gefärbten Rotweinen kann der Rand aussagekräftiger sein, weil die Mitte sehr dunkel wirkt.

Halten Sie zwei Beobachtungen getrennt fest: den Farbton, etwa strohgelb oder rubinrot, und die Intensität, also wie hell, blass oder tief die Farbe erscheint. Rebsorte und Kontakt mit den Beerenschalen beeinflussen die Farbe. Ein blasser Rotwein ist daher nicht automatisch minderwertig. Auch eine dunkle Farbe beweist für sich genommen weder hohe Qualität noch einen bestimmten Geschmack.

Trübungen im Wein einordnen

Einzelne Ablagerungen und eine gleichmäßige, dauerhafte Trübung sind unterschiedlich zu beurteilen. Kristalle aus Weinsäure können sich im Wein bilden und gelten für Verbraucherinnen und Verbraucher als unbedenklich. Ablagerungen können etwa bei gereiften Rotweinen oder ungefilterten Weinen auftreten. Ein Blick allein reicht jedoch nicht aus, um die Ursache sicher zu bestimmen.

Notieren Sie zunächst, was Sie sehen: einzelne Kristalle am Flaschenboden, Schwebstoffe oder eine insgesamt wolkige Flüssigkeit. Diese Beobachtungen geben Hinweise, reichen aber nicht für ein Qualitätsurteil. Wenn Ihnen die Trübung ungewöhnlich erscheint, achten Sie zusätzlich auf Geruch und Geschmack oder fragen Sie beim Anbieter nach.