Verkosten und Grundwissen

Hilfsmittel zur Weinbewertung: Farbkarten und die passende Beleuchtung

Wenn Sie die Farbe eines Weins vergleichen oder beschreiben, betrachten Sie alle Weine unter denselben Bedingungen. Eine matte weiße Unterlage, gleichmäßiges Licht und ein kurzes Notizraster helfen dabei mehr als eine genaue Messung mit irgendeiner Farbkarte.

Eine Farbkarte hilft Ihnen, passende Farbbezeichnungen zu finden und Weine besser zu vergleichen. Sie ersetzt keine standardisierte Messung und sagt allein nichts Verlässliches über die Qualität des Weins aus.

Licht und Unterlage wählen

Betrachten Sie den Wein bei gleichmäßigem Licht ohne sichtbaren Farbstich. Auf einer weißen Tischfläche oder vor einem matten weißen Blatt erkennen Sie die Farbe im Glas leichter. Stark farbiges oder wechselndes Licht erschwert den Vergleich. Eine Studie aus dem Jahr 2009 fand, dass farbiges Umgebungslicht die subjektive Geschmacksbewertung von Wein beeinflussen kann.

Für Verkostungen zu Hause schreiben die Richtlinien weder Lampenfarbe noch Helligkeit vor. Auch die in Kelvin angegebene Farbtemperatur allein zeigt nicht, ob das Licht geeignet ist. Wichtig ist, dass das Licht gleichmäßig bleibt und die Weinfarbe nicht sichtbar verfälscht. Verwenden Sie für mehrere Weine möglichst denselben Platz und dieselbe Lichtquelle.

Hilfsmittel für den Farbvergleich

Für die Betrachtung brauchen Sie ein sauberes Glas und eine matte weiße Unterlage. Legen Sie außerdem einen Stift und ein Notizblatt bereit. Wenn Sie mehrere Weine vergleichen, verwenden Sie möglichst gleich geformte Gläser und betrachten Sie alle Proben unter denselben Bedingungen.

Hilfsmittel Wofür es hilft
Mattes weißes Blatt oder weiße Tischfläche Macht Farbton und Trübung leichter erkennbar
Gleichmäßige, farbneutrale Beleuchtung Verringert Unterschiede durch wechselndes Licht
Notizraster und Stift Trennt sichtbare Merkmale von späteren Deutungen
Farbkarte Hilft, Farbbezeichnungen konsistent zu verwenden

Farbkarten sinnvoll nutzen

Eine Farbkarte hilft Ihnen bei Begriffen wie Rubin, Granat, Gold oder Bernstein. Legen Sie sie neben das Glas und nutzen Sie sie als Gedächtnisstütze. Ein gedrucktes Farbfeld liefert keine genaue Messung: Licht fällt durch den Wein im Glas, während die Karte Licht von ihrer Oberfläche zurückwirft. Papier, Druck und Beleuchtung verändern außerdem, wie das Farbfeld aussieht.

Fachleute nutzen spezielle Systeme, um Weinfarben mit dem Auge zu beurteilen. Eine dafür entwickelte Karte lässt sich nicht einfach durch irgendeine Druckvorlage ersetzen. Zu Hause reicht die Karte als Lernhilfe. Wenn Sie zwischen zwei Farbbegriffen schwanken, notieren Sie beide oder wählen Sie eine zurückhaltende Beschreibung.

Farbe in vier Schritten beschreiben

Betrachten Sie jedes Glas in derselben Reihenfolge. So trennen Sie Ihre Beobachtungen von Ihren Schlussfolgerungen:

  1. Klarheit: Ist der Wein klar oder trüb? Notieren Sie sichtbare Ablagerungen getrennt.
  2. Farbtiefe: Erscheint die Farbe blass, mittel oder intensiv?
  3. Farbton: Beschreiben Sie die sichtbare Richtung, zum Beispiel gelbgrün, gold, lachsfarben oder rubin.
  4. Rand: Achten Sie darauf, ob die Farbe am Rand des Glases heller oder anders getönt wirkt als in der Mitte.

Auch die Verkostungsraster der Society of Wine Educators verwenden diese Begriffe. Halten Sie Ihre Beobachtungen zunächst knapp fest: „klar, mittlere Farbtiefe, rubinfarben, heller Rand“. Ergänzen Sie Ihre Gesamteinschätzung erst, nachdem Sie am Wein gerochen und ihn probiert haben.

Verkostungsraster für den Farbvergleich

Ein Verkostungsraster hält Ihre Eindrücke auseinander. Das Raster der Society of Wine Educators führt Klarheit, Farbtiefe und Farbton getrennt auf. Wine Follys Tasting Grid widmet der Beurteilung mit dem Auge einen eigenen Teil, während das Bewertungsformular der American Wine Society das Aussehen als einen von mehreren Bereichen aufführt.

Für den privaten Gebrauch reicht ein eigenes Notizfeld mit diesen Einträgen:

Klarheit:
Farbtiefe:
Farbton:
Rand oder Ablagerungen:
Gesamteindruck nach Geruch und Geschmack:

Auch die WSET-Level-2-Unterlagen behandeln Aussehen, Geruch und Geschmack getrennt und verwenden dafür gemeinsame Begriffe. Das hilft besonders, wenn mehrere Personen verkosten: Beschreiben Sie zuerst, was jede Person sieht, und vergleichen Sie anschließend die Begriffe.

Farbe nicht allein bewerten

Die Farbe lässt sich beobachten, sagt aber allein nichts über die Qualität aus. Die Richtlinien der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) schreiben bei Wettbewerben eine weiße Tischfläche und gleichmäßiges Licht vor, das die Farbe nicht verfälscht. Dort beurteilen die Juroren die Farbe zusammen mit den übrigen Eigenschaften des Weins.

Im Labor gelten andere Bedingungen als bei einer Verkostung am Tisch. Die OIV-Methode misst, wie viel Licht durch eine Weinprobe fällt. Dafür legt sie unter anderem fest, in welchem Messbereich gemessen wird. Auch die Länge der Küvette und die Referenzbedingungen sind in der Methode vorgegeben. Eine gedruckte Farbkarte misst nicht, wie viel Licht der Wein durchlässt. Bei einer privaten Verkostung beschreiben Sie die Farbe daher besser sorgfältig, statt daraus eine genaue Messzahl oder Qualitätsnote abzuleiten.