Schritt für Schritt zum passenden Wein
Fürs Essen, als Geschenk oder zum Probieren: Legen Sie zuerst den Anlass und Ihre Vorlieben fest. „Körper“ beschreibt, wie leicht oder kräftig ein Wein im Mund wirkt. „Gerbstoffe“ sind Stoffe, die bei Rotwein ein herbes, leicht zusammenziehendes Gefühl erzeugen. Diese Begriffe helfen bei der Auswahl.
Etikett und Weintrends helfen, die Auswahl einzugrenzen. Sie sagen aber nicht zuverlässig voraus, ob Ihnen ein Wein schmeckt. Bestimmen Sie den Anlass, wählen Sie eine Geschmacksrichtung und vergleichen Sie bei Unsicherheit mehrere Weine.
1. Anlass und Runde klären
Überlegen Sie zuerst, wofür Sie den Wein kaufen. Für ein Essen zählt, was auf den Tisch kommt. Bei einem Geschenk helfen die bekannten Vorlieben der beschenkten Person. Wenn Sie selbst neue Weine entdecken möchten, können Sie gezielt eine Sorte oder einen Stil ausprobieren.
Klären Sie auch, wer mittrinkt und ob alle Alkohol möchten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, auf alkoholische Getränke zu verzichten, denn einen gesundheitlich risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Schwangere und Stillende sowie Kinder und Jugendliche sollen keinen Alkohol trinken. Wer Alkohol vermeiden möchte, sollte die Kennzeichnung der konkreten Flasche prüfen und alkoholfreie Weine ausdrücklich in die Auswahl einbeziehen.
2. Budget und Menge festlegen
Mit einem Preisrahmen finden Sie sich im Geschäft oder auf der Karte leichter zurecht. Legen Sie außerdem fest, wie viele Flaschen Sie brauchen. Für den ersten Kauf zum Probieren wählen Sie lieber nur wenige Weine aus. So behalten Sie den Überblick.
Rabatte, Medaillen und auffällige Etiketten sind kein verlässlicher Hinweis darauf, dass ein Wein Ihren Geschmack trifft. Nutzen Sie solche Angaben höchstens als zusätzliche Information, nachdem Sie Anlass, Budget und gewünschte Richtung festgelegt haben.
3. Geschmack in Worte fassen
Beschreiben Sie Ihre Vorlieben zunächst ohne Fachsprache. Mögen Sie Wein eher trocken oder süß? Soll er frisch und lebendig oder sanft wirken? Bevorzugen Sie einen leichten oder vollmundigen Wein?
„Körper“ beschreibt, wie leicht oder kräftig ein Wein im Mund erscheint. Bei Rotwein kommen die Gerbstoffe hinzu: Sie können ein herbes, leicht zusammenziehendes Gefühl im Mund erzeugen. Wenn Sie diese Wirkung nicht mögen, suchen Sie zunächst nach einem weniger gerbstoffreichen Rotwein. Fruchtige Aromen bedeuten übrigens nicht automatisch, dass ein Wein süß ist. Auch die Farbe verrät allein wenig über Süße, Säure oder Fülle.
4. Essen und Wein abstimmen
Richten Sie die Wahl nach der Intensität und Würze des Essens aus. Zu einem leichten, dezenten Gericht passt als Orientierung ein leichterer Wein; kräftig gewürzte Speisen vertragen eher einen Wein mit mehr Ausdruck. Fett, Säure, Süße und Salz verändern ebenfalls, wie Speise und Wein zusammen schmecken.
Feste Regeln wie „Weißwein zu Fisch“ oder „Rotwein zu Fleisch“ führen nicht immer zur passenden Kombination. Beschreiben Sie lieber das Gericht genauer: Ist es mild oder würzig, eher fettig oder säurebetont? So finden Sie eine bessere Ausgangsrichtung. Wenn Sie mehrere Weine servieren, beginnen Sie mit den leichteren und schenken danach kräftigere oder würzigere Weine aus.
5. Etikett gezielt lesen
Bei deutschem Stillwein, also Wein ohne Kohlensäure, geben die Begriffe „trocken“, „halbtrocken“, „lieblich“ und „süß“ Hinweise auf den Restzucker, also den Zucker, der nach der Gärung im Wein bleibt. Für trockenen Wein gelten höchstens 4 Gramm Restzucker pro Liter; je nach Säuregehalt sind bis zu 9 Gramm möglich. Halbtrockener Wein enthält höchstens 12 Gramm pro Liter, je nach Säuregehalt bis zu 18 Gramm. Lieblicher Wein liegt über diesen halbtrockenen Grenzen und höchstens bei 45 Gramm, süßer Wein darüber.
Diese Angaben beschreiben den Restzucker, aber nicht den gesamten Geschmack. Säure, Frucht und Körper beeinflussen ebenfalls den Eindruck. „Feinherb“ ist keine gesetzlich festgelegte Süßekategorie. Die genannten Grenzen gelten für die beschriebenen deutschen Stillweine und lassen sich nicht pauschal auf Schaumwein oder Wein aus anderen Rechtsräumen übertragen.
Herkunft und Rebsorte helfen bei der Auswahl, besonders wenn Ihnen ein früherer Wein gefallen hat. Notieren Sie solche Angaben, aber verlassen Sie sich nicht allein darauf: Auch Weine derselben Rebsorte können unterschiedlich schmecken.
6. Trends als Orientierung nutzen
Trends zeigen, was Menschen kaufen, nicht, was Ihnen persönlich schmeckt. Das Deutsche Weininstitut meldete für das Weinwirtschaftsjahr vom 1. August 2024 bis zum 31. Juli 2025 einen Rückgang des Weinkonsums in Deutschland von 22,2 auf 21,5 Liter pro Person über 16 Jahren. Die Berechnung schließt auch den Konsum außer Haus ein.
Laut DWI-Auswertung kauften 2025 gegenüber 2024 44 Prozent mehr Haushalte alkoholfreien Wein. Die verkaufte Menge und der Umsatz dieser Kategorie stiegen jeweils um 25 Prozent; ihr geschätzter Anteil am Weinumsatz lag bei rund zwei Prozent. Alkoholfreier Wein ist damit eine weitere Option. Ob Ihnen der Geschmack gefällt, zeigt das Probieren. Prüfen Sie außerdem die Kennzeichnung.
7. Weine vergleichen und notieren
Wenn Sie unsicher sind, vergleichen Sie zwei oder drei Weine und verändern Sie möglichst nur ein Merkmal. Stellen Sie zum Beispiel einen leichteren einem volleren Stil gegenüber oder probieren Sie Rotweine mit unterschiedlich ausgeprägten Gerbstoffen. So erkennen Sie besser, was Ihnen gefällt.
Nehmen Sie sich Zeit beim Probieren. Das International Wine Institute empfiehlt, den Wein zunächst anzusehen und vor dem Schwenken daran zu riechen. Anschließend prüfen Sie, wie er schmeckt und sich im Mund anfühlt. Notieren Sie danach einen konkreten Eindruck wie „frisch und leicht“, „zu herb“ oder „fruchtig, aber trocken“. Ergänzen Sie Herkunft, Rebsorte und Geschmacksangabe, wenn sie auf dem Etikett stehen. Bei der nächsten Auswahl haben Sie damit eine brauchbare Grundlage.
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