Wenn Gäste kommen, wird die Weinwahl schnell zur Prüfung. Sie müssen kein Weinkenner sein: Drei Fragen reichen – wer kommt, was gibt es zu essen, wie viel möchten Sie ausgeben? Wer diese Fragen beantwortet, findet einen Wein, der zu Anlass und Gesellschaft passt, ohne sich in Fachbegriffen zu verlieren.
Tannin, Säure und Trockenheit
Drei Begriffe stehen auf fast jedem Etikett und helfen Ihnen, Weine einzuordnen: Tannin, Säure und Trockenheit. Tannine sind Gerbstoffe aus Schalen und Kernen. Sie kommen vor allem in Rotweinen vor. Sie geben dem Wein Struktur und ein leicht zusammenziehendes Gefühl am Gaumen, ähnlich wie bei starkem schwarzem Tee. Säure sorgt für Frische und macht den Wein lebendig. Ein Wein mit zu wenig Säure wirkt schwer und matt. Trocken bedeutet, dass der Wein kaum Restzucker enthält und nicht süß schmeckt.
Für Gäste, die selten Wein trinken, sind Weißweine und Roséweine oft die sicherere Wahl. Sie enthalten kaum Tannine, schmecken frisch und sind selten eine Überraschung. Ein trockener Weißwein wie ein Riesling oder ein Grauburgunder ist unaufdringlich und passt zu vielen Gelegenheiten. Wenn Sie nicht wissen, ob Ihre Gäste süß oder trocken mögen, wählen Sie einen halbtrockenen Wein, der zwischen beiden liegt.
Anlass und Gäste zuerst
Bevor Sie über Rebsorten nachdenken, klären Sie, wer an Ihrem Tisch sitzt. Ein Abendessen mit den Schwiegereltern ist etwas anderes als ein Grillabend mit Freunden oder ein Geburtstagsbrunch. Bei einem formelleren Anlass wirkt ein klassischer Wein mit bekanntem Namen, etwa ein Spätburgunder oder ein Chardonnay, vertrauensbildend. Bei einem lockeren Treffen dürfen Sie mutiger wählen und auch eine weniger bekannte Rebsorte anbieten.
Fragen Sie sich auch, wie lange Ihre Gäste bleiben. Ein Wein für ein mehrgängiges Menü muss anders geplant werden als einer für einen langen Abend mit Snacks. Bei mehreren Gängen servieren Sie zu Beginn leichte, frische Weine, zum Hauptgang kräftigere und zum Dessert einen süßen oder edelsüßen Wein. Wer nur einen Wein für den ganzen Abend servieren möchte, wählt am besten einen mittelkräftigen Wein, etwa einen trockenen Weißwein oder einen leichten Rotwein.
Wein und Essen: Harmonie statt Regeln
Die alte Faustregel "Rotwein zu Fleisch, Weißwein zu Fisch" hat ausgedient. Sie verstellt den Blick auf Kombinationen, die gut funktionieren. Ein kräftiger Rotwein zu einem zarten Fischgericht kann ebenso passen wie ein Weißwein zu einem leichten Schweinebraten, wenn die Zubereitung und die Soße mitspielen. Entscheidend ist nicht die Farbe des Fleisches, sondern die Intensität des Gerichts.
Zwei Prinzipien helfen bei der Auswahl: Harmonie und Spannung. Bei der Harmonie ergänzen sich Wein und Gericht, etwa ein cremiger Weißwein zu einer cremigen Soße oder ein fruchtiger Rosé zu einem Salat mit Beeren. Beim zweiten Prinzip, der Spannung, setzen Sie gleiche Akzente, zum Beispiel ein würziger Wein zu einem würzigen Gericht, sodass sich die Aromen verstärken. Beide Wege sind richtig, solange Wein und Essen ebenbürtig bleiben und keiner den anderen überdeckt.
Es darf schmecken, was Ihnen und Ihren Gästen schmeckt. Wenn Ihre Gäste lieber Bier zum Essen trinken oder eine alkoholfreie Alternative bevorzugen, ist das keine Niederlage für Ihre Weinwahl, sondern ein Zeichen, dass Sie auf die Menschen am Tisch eingehen. Bieten Sie ruhig beides an, dann ist für jeden etwas dabei.
Budget und Menge planen
Ihr Budget bestimmt die Auswahl stärker als jede Geschmacksregel. Ein guter Wein muss nicht teuer sein. In deutschen Supermärkten und Discountern finden Sie für sieben bis zwölf Euro solide Qualität, die sich vor teuren Weinen nicht verstecken muss. Entscheidend ist, dass der Wein sauber verarbeitet ist, also keine Fehlaromen hat, und dass er zum Anlass passt. Für ein großes Fest mit vielen Gästen ist ein günstiger, unkomplizierter Wein besser als ein teurer, den niemand richtig würdigt.
Bei der Menge hilft eine einfache Orientierung: Planen Sie für einen Abend mit mehreren Gängen etwa eine Flasche pro zwei Personen ein. Wenn Sie nur ein Glas zum Essen anbieten, reicht eine Flasche für vier bis fünf Personen. Rechnen Sie lieber großzügiger, denn nachschenken ist einfacher als nachkaufen. Wenn Sie mehrere Weine anbieten, kaufen Sie von jedem eine Flasche mehr, als Sie für nötig halten. Übrig gebliebene Flaschen halten sich bei richtiger Lagerung, und ein guter Wein ist auch für den nächsten Anlass nicht verloren.
Sicher servieren
Zum sicheren Umgang mit Wein gehört mehr als die richtige Temperatur. Achten Sie auf den Alkoholgehalt auf dem Etikett. Weine mit zwölf bis dreizehn Prozent Alkohol wirken leichter und sind für einen langen Abend angenehmer als kräftige Weine mit vierzehn Prozent oder mehr. Wenn Sie mehrere Weine anbieten, stellen Sie alkoholfreie Alternativen wie Saft, Wasser oder alkoholfreien Wein daneben, damit niemand zum Trinken gedrängt wird.
Die Serviertemperatur beeinflusst den Geschmack stark. Weißweine und Roséweine schmecken gekühlt bei etwa acht bis zehn Grad am besten, leichte Rotweine bei sechzehn bis achtzehn Grad. Ein Rotwein, der zu warm serviert wird, wirkt alkoholisch und schwer; ein zu kalter Weißwein verliert sein Aroma. Stellen Sie Weißwein etwa eine Stunde vor dem Servieren in den Kühlschrank. Rotwein nehmen Sie rechtzeitig aus dem Keller oder kühlen ihn kurz an. Wer Gäste hat, die fahren müssen, sollte daran denken, dass auch ein Glas Wein die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Bieten Sie am Ende des Abends Kaffee oder Wasser an und sprechen Sie offen über die Heimfahrt.
