Die meisten Menschen halten ein Weinglas instinktiv an der Kuppa, dem bauchigen Teil. Das ist bequem, aber nicht ideal: Die Hand erwärmt den Wein. Schon wenige Grad Temperaturunterschied entscheiden, ob ein Wein präzise und elegant oder matt und schwer schmeckt.
Halten Sie das Glas daher am Stiel, nicht an der Kuppa. Das gilt für Weißwein, Rosé und Rotwein gleichermaßen, auch wenn das im Alltag nicht jeder so macht.
Warum die Hand den Wein erwärmt
Die Hand gibt Wärme ab. Wenn Sie die Kuppa umfassen, erwärmt sich der Wein schnell, weil das Glas dünn ist und die Wärme gut leitet. Bei Weißwein, der gekühlt serviert wird, ist das besonders problematisch: Schon nach kurzer Zeit steigt die Temperatur spürbar an, und der Wein verliert seine frische Säure und seine feine Struktur. Bei Rotwein gilt das ebenfalls, auch wenn manche Rotweine von einer leichten Erwärmung profitieren. Sie verlieren die Kontrolle über die Trinktemperatur, wenn Ihre Hand den Wein direkt wärmt.
Die Temperatur wirkt sich direkt auf die Aromen aus. Kalte Weine wirken zurückhaltend, warme Weine entfalten mehr Duft, aber auch mehr Alkohol. Wenn der Wein ungewollt zu warm wird, verschwimmen die Aromen, und der Geschmack wird unscharf. Wer den Wein am Stiel hält, lässt ihn in seinem eigenen Tempo arbeiten und atmen, ohne dass die Hand dazwischenfunkt.
Die Grundregel: Stiel statt Kuppa
Der Stiel ist dafür gemacht, das Glas zu halten. Greifen Sie den Stiel zwischen Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, etwa in der Mitte oder leicht darunter. Der Griff sollte locker sein, nicht verkrampft. Der kleine Finger und der Ringfinger stützen den Stiel von unten oder bleiben entspannt. So haben Sie das Glas sicher in der Hand, ohne den Wein zu berühren oder zu wärmen.
Bei Gläsern mit langem Stiel können Sie den Stiel auch weiter unten fassen, nahe am Fuß. Das ist besonders bei Verkostungen üblich, weil man so das Glas schwenken kann, ohne den Wein zu stark zu bewegen. Der Fuß selbst ist nur zum Abstellen gedacht, nicht zum Halten. Wenn Sie das Glas am Fuß greifen, wird die Bewegung unnatürlich und das Glas kippt leichter.
Wann die Kuppa in Ordnung ist
Es gibt Situationen, in denen das Halten der Kuppa in Ordnung ist. Bei Gläsern ohne Stiel, etwa bei manchen Alltagsgläsern oder bei Kunststoffgläsern für Picknicks, bleibt nur die Kuppa. Auch bei sehr schweren oder großen Gläsern kann der Stiel zu dünn wirken, und man greift instinktiv zur Kuppa, um das Glas sicher zu halten. Das ist verständlich, aber Sie sollten wissen, dass der Wein dann schneller warm wird.
Eine weitere Ausnahme ist Rotwein in geselliger Runde, wenn das Glas ohnehin schnell leer ist und nachgeschenkt wird. Wenn der Wein in wenigen Minuten getrunken wird, spielt die Erwärmung keine große Rolle. Wer aber einen Wein über längere Zeit verkosten oder genießen möchte, sollte konsequent am Stiel bleiben.
Warum der Griff am Stiel auffällt
In Bars, bei Dates oder bei einem Abend mit Freunden fällt die Haltung des Glases auf, auch wenn die meisten Menschen nicht bewusst darauf achten. Wer das Glas am Stiel hält, wirkt routiniert und zeigt, dass er sich mit Wein auskennt. Das ist kein Snobismus, sondern schlichte Praxis: Sie vermeiden Fingerabdrücke auf der Kuppa, die das Glas unschön machen, und Sie halten den Wein in der Temperatur, die er haben soll.
Ein praktischer Nebeneffekt: Wenn Sie das Glas am Stiel halten, können Sie es leichter schwenken, ohne etwas zu verschütten. Der Wein benetzt die Glaswand, und die Aromen steigen besser in die Nase. Das ist besonders bei Verkostungen wichtig, wo das Schwenken zum Ritual gehört.
Ein letzter Hinweis: Übertreiben Sie es nicht. Ein verkrampfter Griff am Stiel wirkt steif und unnatürlich. Der Griff sollte so selbstverständlich sein wie das Halten einer Tasse Kaffee. Mit etwas Übung sitzt der Stiel von selbst richtig, und Sie müssen nicht mehr darüber nachdenken.
