Bordeaux ist das größte zusammenhängende Qualitätsweingebiet Frankreichs und für Einsteiger oft das verwirrendste. Die Region an der Mündung von Dordogne und Garonne in die Gironde erzeugt trockene Rotweine, Weißweine, edelsüße Weine, Rosé und Schaumwein. Der typische Bordeaux-Rotwein ist ein Verschnitt aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, der in Eichenfässern reift. Die vielen Klassifizierungen stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und folgen unterschiedlichen Regeln – man sollte sie getrennt betrachten.
Wer sich an großen Namen wie Margaux oder Pauillac orientiert, zahlt schnell viel. Wer die Logik hinter Rebsorten, Lagen und Klassifizierungen versteht, findet auch im mittleren Preissegment gute Weine.
Rebsorten
Die Grundlage jedes Bordeaux-Rotweins ist ein Verschnitt aus mehreren Rebsorten. Cabernet Sauvignon bringt Struktur, Tannin und Aromen von schwarzen Johannisbeeren, Merlot liefert Fülle, Frucht und weichere Tannine, Cabernet Franc steuert Würze und Eleganz bei. Petit Verdot und Malbec ergänzen in kleinen Anteilen Farbe und Würze. Die genaue Mischung entscheidet der Kellermeister jedes Jahr neu, je nachdem wie die Trauben ausgefallen sind.
Der Boden bestimmt, welche Rebsorte dominiert. Auf den kiesigen Böden des linken Ufers reift Cabernet Sauvignon besonders gut, weil der Kies Wärme speichert und Wasser gut ableitet. Auf den tonhaltigen Böden des rechten Ufers fühlt sich Merlot wohler. Deshalb schmecken Médoc-Weine meist kräftiger und brauchen länger zur Reife, während Saint-Émilion und Pomerol runder wirken und früher trinkbar sind.
Die weißen Bordeaux-Weine bauen auf Sauvignon Blanc und Sémillon. Sauvignon Blanc gibt frische Zitrusaromen, Sémillon sorgt für Körper und, bei edelsüßen Weinen, für die Anfälligkeit gegenüber Edelfäule, die den Zucker in den Trauben konzentriert. Trockene Weißweine kommen vor allem aus Entre-deux-Mers und den Crus von Graves und Pessac-Léognan.
Linkes und rechtes Ufer
Die Region teilt sich geografisch in zwei Ufer. Das linke Ufer mit dem Médoc und Graves im Süden steht für Cabernet-dominierte Rotweine mit viel Struktur und hohem Reifepotenzial. Die berühmtesten Appellationen, also geschützten Herkunftsgebiete, liegen hier: Margaux, Pauillac, Saint-Estèphe und Saint-Julien. Pauillac beherbergt drei der fünf Premiers Crus von 1855, darunter Château Latour und Château Mouton-Rothschild.
Das rechte Ufer mit Saint-Émilion und Pomerol setzt auf Merlot. Die Weine sind oft zugänglicher, fruchtiger und reifen schneller. Pomerol hat keine eigene Klassifizierung, was viele Käufer überrascht, während Saint-Émilion ein eigenes, regelmäßig überarbeitetes System besitzt.
Sauternes und Barsac im Süden produzieren edelsüße Weine aus von Edelfäule befallenen Trauben, die zu den teuersten Süßweinen der Welt gehören. Wenn Sie einen Bordeaux für den Alltag suchen, greifen Sie zu einfachem Bordeaux AC oder Bordeaux Supérieur, die günstiger sind und jung getrunken werden können.
Die Klassifizierungen
Die berühmteste Klassifizierung stammt aus dem Jahr 1855. Kaiser Napoleon III. beauftragte die Weinhändler von Bordeaux, die besten Weine der Region für die Weltausstellung in Paris einzustufen. Die Händler ordneten die Châteaux nach ihren damaligen Marktpreisen in fünf Stufen, von Premier bis Cinquième Cru. Diese Rangfolge gilt bis heute fast unverändert. Eine Ausnahme: Château Mouton-Rothschild wurde 1973 nach jahrzehntelangem Einsatz von Baron Philippe de Rothschild zum Premier Cru erhoben, als einziges Château in der Geschichte dieser Klassifizierung.
Die 1855er-Liste erfasst nur die Rotweine des Médoc und die Süßweine von Sauternes und Barsac. Andere Teile von Bordeaux haben eigene Systeme. Die Klassifizierung von Graves listet Weingüter für Rot- und Weißwein und gilt heute für die Appellation Pessac-Léognan. Saint-Émilion überarbeitet seine Einstufung regelmäßig, um die aktuelle Qualität abzubilden. Die Bezeichnung Cru Bourgeois erfasst Châteaux im Médoc, die nicht in der 1855er-Liste stehen.
Für den Einkauf bedeutet das: Die Klassifizierung sagt etwas über den Ruf eines Châteaux aus, aber nichts über den Jahrgang oder den aktuellen Zustand des Weinguts. Ein guter Jahrgang und ein sorgfältig arbeitendes Château können einen niedriger eingestuften Wein über einen schwachen Premier Cru hinausheben.
Der Trend zu Weiß- und Roséweinen
In Deutschland trinken die Menschen inzwischen weniger Rotwein. Der SWR-Weinexperte Dominik Bartoschek beobachtet, dass trockene Weißweine und Rosé beliebter werden, während Rotweine Marktanteile verlieren. Das Deutsche Weininstitut meldet, dass das Angebot an deutschen Rotweinen in den letzten fünfzehn Jahren fast halbiert wurde, zugunsten von Weiß- und Roséweinen. Viele Menschen suchen leichtere Weine mit weniger Alkohol und Kalorien.
Diese Zahlen betreffen deutsche Weine, nicht Bordeaux. Ob Bordeaux selbst diesen Trend spürt, lässt sich daraus nicht direkt ableiten. Wenn Sie Bordeaux trinken möchten, aber leichtere Weine bevorzugen, finden Sie trotzdem passende Flaschen. Ein trockener Weißwein aus Entre-deux-Mers oder ein Rosé aus der Region ist leichter als ein kräftiger Médoc und zeigt eine andere Seite von Bordeaux.
