Chardonnay ist die vielseitigste weiße Rebsorte der Welt. Sie wächst in fast jedem Weinbaugebiet und ergibt je nach Anbau und Ausbau völlig unterschiedliche Weine: mal frisch und mineralisch, mal cremig und buttrig. Chardonnay gibt es in zwei Grundstilen, die unterschiedlich schmecken und zu unterschiedlichen Speisen passen. Wer die Stile erkennt, wählt beim Kauf und Servieren richtig.
Warum Chardonnay gefragt ist
Der deutsche Weintrend begünstigt trockene Weiß- und Roséweine, während Rotweine an Marktanteil verlieren. Das Deutsche Weininstitut berichtet, dass das Angebot an deutschen Rotweinen in den letzten fünfzehn Jahren fast halbiert wurde, zugunsten von Weiß- und Roséweinen. Als Grund nennen Fachleute den Wunsch nach leichteren Getränken mit weniger Alkohol und Kalorien. Chardonnay passt in diesen Trend, weil die frische, unoaked Variante trocken, leicht, mit klarer Säure und ohne Schwere ist.
Zwei Grundstile: frisch oder cremig
Bei Chardonnay gibt es zwei Grundstile: unoaked und oaked. Unoaked bedeutet, der Wein reift im Edelstahltank und bleibt schlank, mineralisch und klar. Er schmeckt nach Zitrone, grünem Apfel und manchmal nach Steinobst. Diese Stilrichtung findet man vor allem in kühlen Anbaugebieten wie Chablis in Burgund oder in der Champagne. Dort sorgt das kühle Klima für eine lebendige Säure, die den Wein frisch und präzise macht.
Oaked Chardonnay reift dagegen im Holzfass, oft zusätzlich mit malolaktischer Gärung. Dabei wird die scharfe Apfelsäure in weichere Milchsäure umgewandelt. Das Ergebnis ist ein cremiger, buttriger Wein mit Aromen von Vanille, Toast und manchmal Kokos. Diese Stilrichtung stammt aus wärmeren Regionen wie Kalifornien, Australien oder dem südlichen Burgund. Dort entwickeln die Trauben auch tropische Fruchtnoten wie Ananas oder Mango, die zusammen mit dem Holz einen volleren, runderen Wein ergeben.
Woran Sie den Stil erkennen
Sie müssen kein Weinexperte sein, um die beiden Stile auseinanderzuhalten. Ein Blick auf das Etikett und die Herkunft reicht meist aus. Steht auf dem Etikett ein Hinweis auf Holzfass oder Barrique, handelt es sich um einen oaked Chardonnay. Fehlt ein solcher Hinweis, ist der Wein wahrscheinlich im Edelstahltank ausgebaut und entsprechend frisch.
Auch die Region gibt einen Anhaltspunkt. Chablis steht fast immer für den schlanken, mineralischen Stil. Chardonnay aus Kalifornien oder Australien ist dagegen häufig im Holzfass gereift und fruchtiger. Innerhalb von Burgund gilt: Aus dem nördlichen Teil kommen frischere Weine, aus dem Süden wie der Côte d’Or oder dem Mâconnais vollere. Bei deutschen Chardonnays lohnt der Blick auf das Weingut, denn viele Erzeuger bieten beide Stile an, oft mit Angabe auf dem Etikett.
Welche Speisen passen
Der frische, unoaked Chardonnay harmoniert mit leichten, hellen Gerichten, der cremige, oaked Stil mit reichhaltigeren Speisen. Zum unoaked Chardonnay passen Salate, gegrilltes Gemüse, Meeresfrüchte, Austern und leichter Fisch wie Zander oder Scholle. Auch Geflügel in einer hellen Sauce passt gut, weil die Säure des Weins die Sauce auflockert.
Der oaked Chardonnay verträgt kräftigere Aromen. Er passt zu gegrilltem oder gebratenem Fisch mit Butter, zu Hummer, zu Geflügel in Sahnesauce und zu Gerichten mit Pilzen. Auch Kalbfleisch und Schweinefleisch mit cremigen Saucen sind eine gute Wahl. Bei Käse harmoniert er mit mittelalten, cremigen Sorten wie Chaource oder reifem Gouda. Wenn Sie unsicher sind, wählen Sie den unoaked Stil, denn er ist flexibler und deckt mehr Gerichte ab.
Servieren und lagern
Chardonnay sollte gut gekühlt serviert werden, aber nicht eiskalt. Zu kalte Temperaturen unterdrücken die Aromen, zu warme lassen den Wein schwer wirken. Wenn Sie den Wein aus dem Kühlschrank holen, können Sie ihn im Glas kurz atmen lassen, dann entfalten sich die Fruchtnoten besser.
Geöffnete Flaschen halten sich bei gutem Verschluss im Kühlschrank zwei bis drei Tage. Der frische Stil verliert dabei weniger an Qualität als der oaked, dessen Holznoten mit der Zeit flach werden können. Wenn Sie eine Flasche an einem Abend nicht austrinken, verschließen Sie sie mit einem Weinverschluss oder einem Korken und stellen Sie sie zurück in den Kühlschrank. Vor dem nächsten Glas lassen Sie den Wein zehn Minuten bei Zimmertemperatur stehen.
