Burgunder-Weine nüchtern betrachtet
Der Begriff Burgunder hat im Weinhandel zwei Bedeutungen. Zum einen meint er die Weine aus der französischen Region Burgund. Sie entstehen fast nur aus Pinot Noir und Chardonnay. Zum anderen meint er eine Familie von Rebsorten: Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder. Die beiden Bedeutungen haben wenig miteinander zu tun. Wer sie verwechselt, kauft leicht einen anderen Wein als erwartet.
Was der Name Burgunder bedeutet
Im deutschen Sprachgebrauch ist Burgunder zuerst ein Rebsortenname. Spätburgunder ist die deutsche Bezeichnung für Pinot Noir, Weißburgunder für Pinot Blanc, Grauburgunder für Pinot Gris. Diese Sorten wachsen vor allem in Deutschland, Österreich und Südtirol. Eine Flasche mit der Aufschrift Weißburgunder stammt also in der Regel aus einem deutschen oder österreichischen Weingut und hat mit Frankreich nichts zu tun.
Daneben steht Burgunder im Deutschen für die Weine der Region Burgund. Auf Französisch heißt die Region Bourgogne. Sie reicht von Chablis im Norden bis Mâcon im Süden und produziert fast nur Weißwein aus Chardonnay und Rotwein aus Pinot Noir. Auf dem Etikett eines Weins aus dem Burgund steht meist ein Ortsname wie Meursault, Pommard oder Gevrey-Chambertin oder der Sammelbegriff Bourgogne.
Warum das Burgund besonders ist
Das Burgund gilt als Ursprungsregion des Terroir-Gedankens, also der Vorstellung, dass ein Wein den Ort ausdrückt, an dem er wächst: den Boden, das Klima, die Lage und die Arbeit im Weinberg. Diese Idee ist im Burgund allgegenwärtig und hat konkrete Folgen. Die Appellationen, also die offiziellen Herkunftsbezeichnungen, sind aus Geschichte und Geologie entstanden. Sie folgen keiner einheitlichen Ordnung. Weine aus Weinbergen, die nur wenige Meter auseinanderliegen, können deutlich unterschiedlich schmecken, weil sich Boden und Mikroklima ändern.
Vor allem Mönche im Mittelalter haben diesen Gedanken geprägt. Sie verwendeten den Begriff goût de terroir, also den Geschmack des Bodens, und verbreiteten mit ihren Klöstern Weinbauwissen und Rebsorten über Europa. Über Jahrhunderte bewerteten sie die Weinberge und teilten sie in Stufen ein. An der Spitze dieser Hierarchie stehen heute die Grand Crus. Sie unterliegen den strengsten Auflagen und erzielen die höchsten Preise. Darunter folgen Premier Cru, Dorfweine und die regionalen Appellationen.
Das Burgund hat auch eine weniger glanzvolle Seite. Ende der 1980er Jahre warfen Kritiker dem Burgund vor, die Böden seien so ausgelaugt, dass sie weniger Bodenleben enthielten als die Sahara. Seitdem hat sich in der Bewirtschaftung viel getan. Der gute Ruf des Burgunds hat handfeste Gründe: Die Winzer stecken weiterhin viel Arbeit in ihre Weinberge.
Die Burgundersorten im Vergleich
Im Burgund bestimmen zwei Rebsorten fast das gesamte Angebot: Chardonnay für Weißwein und Pinot Noir für Rotwein. Beide können je nach Lage und Ausbau, also der Reifung im Keller, sehr unterschiedlich schmecken. Chablis im Norden ergibt einen kühlen, mineralischen Chardonnay, Meursault weiter südlich einen volleren, cremigeren. Die beiden Weine schmecken sehr unterschiedlich, obwohl in beiden dieselbe Rebsorte steht.
In Deutschland steht Burgunder dagegen für die ganze Rebsortenfamilie. Spätburgunder ergibt Rotweine mit heller Farbe, roten Früchten und feiner Säure. Weißburgunder ergibt ruhige, kräutrige Weißweine, Grauburgunder etwas vollere Weine mit würzigem Charakter. Frühburgunder ist eine seltenere, früh reifende Variante des Spätburgunders.
Guten Burgunder erkennen
Bei Weinen aus dem Burgund entscheidet die Appellation über Herkunft und Preis. Ein Bourgogne Rouge oder Bourgogne Blanc stammt aus dem gesamten Gebiet und ist der Einstieg. Ein Dorfwein wie Meursault oder Pommard kommt aus einer einzelnen Gemeinde. Premier Cru und Grand Cru beziehen sich auf einzelne Lagen. Mit jeder Stufe steigen die Anforderungen an Ertrag und Herkunft, aber auch der Preis. Ein Grand Cru ist nicht automatisch der bessere Wein für jeden Geschmack. Wer Wert auf ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis legt, findet bei Dorfweinen und Premier Crus oft mehr.
Bei deutschen Burgundern lohnt der Blick auf Rebsorte, Anbaugebiet und Erzeuger. Baden und die Pfalz sind die größten Anbaugebiete für Spätburgunder. Die Bezeichnung Qualitätswein ist gesetzlich geregelt, sagt aber wenig über den Geschmack. Mehr über den Geschmack sagen Angaben zum Ausbau, etwa die Reifung im Holzfass, oder die Mitgliedschaft des Erzeugers im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP). Der VDP vergibt eigene Lagenklassifikationen.
Der Jahrgang spielt im Burgund eine größere Rolle als in vielen anderen Regionen. In kühlen, regnerischen Jahren bleiben auch gute Erzeuger hinter ihren Möglichkeiten zurück. In warmen Jahren gelingen einfachere Weine überraschend gut. Bei deutschen Burgundern gilt das ähnlich, vor allem für Spätburgunder.
Lagerung und Servieren
Burgunder, besonders Rotweine aus Pinot Noir, vertragen Wärme und Licht schlecht. Lagern Sie die Flaschen liegend an einem kühlen, dunklen Ort mit gleichmäßiger Temperatur. Rote Burgunder trinken Sie am besten leicht unter Zimmertemperatur. Weiße Burgunder schmecken bei etwas kühleren Temperaturen am besten. Wer keinen Weinkeller hat, stellt die Flasche vor dem Öffnen kurz in den Kühlschrank, um sie auf die richtige Trinktemperatur zu bringen.