Burgunder-Weine werden beliebter, weil immer mehr Menschen leichtere Weine mit weniger Alkohol suchen. Die wichtigsten Rebsorten der Familie sind Pinot Noir für Rotwein und Chardonnay für Weißwein. Pinot Noir und Spätburgunder sind dieselbe Traube – in Frankreich Pinot Noir, in Deutschland Spätburgunder genannt. Wie die Weine schmecken, hängt weniger vom Namen ab als von Anbaugebiet, Boden und Ausbau.
Warum Pinot Noir und Spätburgunder dasselbe sind
Die Rebsorte ist identisch, die Weine unterscheiden sich trotzdem deutlich. Ein Pinot Noir aus dem Burgund schmeckt anders als ein Spätburgunder aus Baden oder der Pfalz. Drei Faktoren erklären den Unterschied: das Terroir, also Boden und Klima, die verwendeten Klone der Rebsorte und die Arbeitsweise des Winzers.
Im Burgund wächst Pinot Noir auf kalkhaltigen Böden mit kühlem Klima. Das ergibt Weine mit feiner Säure, roten Beerenaromen und einer erdigen, oft pilzigen Note. Deutsche Spätburgunder reifen in wärmeren Lagen und zeigen dadurch mehr Frucht, manchmal mit Noten von Kirschen und Gewürzen. Dazu kommen unterschiedliche Ausbaustile: Die einen setzen auf frische, fruchtbetonte Weine ohne Holzeinfluss, andere lagern im Barrique, einem kleinen Eichenholzfass, und erzeugen cremige, vanillige Töne.
Was Pinot Noir empfindlich macht
Pinot Noir ist eine anspruchsvolle Rebsorte mit dünnen Beerenhäuten. Diese dünnen Häute bedeuten wenig Farbe und wenig Tannin, dafür aber eine feine, elegante Struktur. Die Säure ist naturgemäß hoch, was den Weinen Frische und Langlebigkeit verleiht.
Die Empfindlichkeit zeigt sich im Weinberg: Die Trauben reagieren stark auf Wetter, Boden und Pflege. Zu viel Hitze lässt die Aromen verkocht wirken, zu viel Regen führt zu Fäulnis. Winzer müssen daher den Lesezeitpunkt sorgfältig wählen und im Keller behutsam arbeiten. Das erklärt, warum gute Pinot Noirs selten und teuer sind, während einfache Exemplare oft dünn und wenig ausdrucksstark wirken.
Der Trend zu leichteren Burgunder-Weinen
Der Markt bewegt sich weg von schweren Rotweinen hin zu trockenen Weiß- und Roséweinen. Das Deutsche Weininstitut berichtet, dass sich das Angebot an deutschen Rotweinen in den letzten fünfzehn Jahren fast halbiert hat. Die Nachfrage nach Weiß- und Roséweinen ist entsprechend gestiegen.
Der Grund liegt im veränderten Trinkverhalten: Viele Menschen wollen leichtere Weine mit weniger Alkohol und weniger Kalorien. Genau hier punkten Burgunder-Weine. Ein trockener Chardonnay oder ein feiner Pinot Noir liegen meist bei moderaten Alkoholwerten und wirken am Gaumen frisch statt schwer. Diese Eigenschaft macht sie zur passenden Wahl für den aktuellen Geschmack, ohne dass sie an Komplexität verlieren.
Chardonnay: Von mineralisch bis buttrig
Chardonnay ist die weiße Antwort auf Pinot Noir und zeigt eine bemerkenswerte Bandbreite. Die Rebsorte passt sich dem Klima an und verändert ihren Charakter entsprechend. In kühlen Lagen wie Chablis oder der Champagne entstehen Weine mit brillanter Säure, Aromen von grünem Apfel, Zitrusfrüchten und mineralischen Noten. Diese Weine wirken schlank, präzise und oft salzig am Gaumen.
In wärmeren Regionen entwickeln Chardonnays tropische Fruchtaromen wie Ananas, Mango und Melone. Dazu kommt häufig der Einfluss des Holzausbaus: Durch Lagerung im Barrique entstehen buttrige, vanillige und nussige Töne, die den Wein cremig und rund machen. Wer einen Chardonnay wählt, sollte sich fragen, welchen Stil er bevorzugt: frisch und mineralisch oder gehaltvoll und buttrig. Beide Varianten haben ihre Berechtigung, passen aber zu unterschiedlichen Anlässen und Speisen.
So wählen und servieren Sie Burgunder
Beim Kauf hilft der Blick auf das Etikett und die Region. Ein Pinot Noir aus dem Burgund trägt oft Ortsnamen wie Gevrey-Chambertin oder Volnay, die für bestimmte Stile stehen. Deutsche Spätburgunder kommen häufig aus Baden, der Pfalz oder dem Rheingau. Achten Sie auf die Angabe trocken, wenn Sie einen klassischen Essenswein suchen, und auf den Alkoholgehalt, der bei Burgundern meist moderat ist.
Die Serviertemperatur macht einen spürbaren Unterschied. Pinot Noir trinken Sie leicht gekühlt, dann wirken die Aromen frischer und die feinen Tannine angenehmer. Chardonnay servieren Sie gekühlt, wobei gehaltvolle, buttrige Exemplare etwas wärmer serviert werden dürfen. Zum Essen passen Pinot Noir zu Geflügel, Pilzgerichten und zartem Rindfleisch, Chardonnay zu Fisch, Meeresfrüchten und Gerichten mit Sahnesauce.
