Checkliste für die optische Weinbewertung
Bei der optischen Weinbewertung prüfen Sie zuerst Helligkeit und Klarheit, dann Farbtiefe und Farbton. Notieren Sie sichtbare Teilchen oder Bläschen. Schließen Sie nicht allein aus der Farbe auf Qualität oder Alter.
Wein optisch prüfen
Arbeiten Sie die Checkliste durch, bevor Sie am Wein riechen oder ihn probieren. Halten Sie das Glas vor einen hellen, weißen Hintergrund und neigen Sie es leicht. Für einen Vergleich sollten die Weine in ähnlichen Gläsern und Mengen eingeschenkt sein.
- Licht und Hintergrund prüfen: Betrachten Sie den Wein bei hellem Licht vor einer weißen Fläche. Nutzen Sie keine farbigen Hintergründe, da sie den Farbeindruck verändern.
- Klarheit beschreiben: Wirkt der Wein klar, matt oder trüb? Notieren Sie sichtbare Partikel getrennt von einem Bodensatz.
- Farbtiefe einschätzen: Wie blass oder kräftig wirkt die Farbe? Betrachten Sie dazu den geneigten Wein vom Rand in Richtung Glasmitte.
- Farbton benennen: Verwenden Sie einfache Begriffe wie Gold, Rosa oder Rubin statt einer langen, schwer vergleichbaren Beschreibung.
- Weitere Merkmale festhalten: Gibt es Bläschen, Bodensatz oder Schlieren an der Glaswand? Beschreiben Sie nur, was zu sehen ist.
- Eindruck später überprüfen: Riechen und probieren Sie den Wein anschließend. Ergänzen Sie Ihre Notizen erst danach um Eindrücke zu Duft und Geschmack.
Farbtiefe und Farbton trennen
Farbtiefe beschreibt, wie blass oder kräftig die Farbe wirkt. Der Farbton benennt dagegen die Farbe selbst. Ein Wein kann beispielsweise blass und zitronengelb oder tief und goldfarben erscheinen. Wenn Sie beides getrennt notieren, werden Ihre Beschreibungen klarer und Sie können Weine leichter vergleichen.
Diese Farbwörter helfen bei der Einordnung:
| Weintyp | Mögliche Farbtöne |
|---|---|
| Weißwein | Zitronengelb, Gold, Bernstein, Braun |
| Roséwein | Rosa, Lachsrosa, Orange |
| Rotwein | Purpur, Rubin, Granat, Braun |
Menschen benennen Farben nicht immer gleich. Wählen Sie deshalb einige geläufige Begriffe und verwenden Sie sie möglichst einheitlich. Der Farbeindruck hängt von der Rebsorte und der Reife ab. Auch der Kontakt zwischen Traubensaft und Schalen während der Weinbereitung beeinflusst ihn. Mit zunehmender Reife wird Weißwein als grobe Orientierung dunkler, Rotwein heller. Für eine sichere Altersbestimmung reicht die Farbe allein jedoch nicht.
Trübung und Bodensatz unterscheiden
Trübung bedeutet, dass der Wein insgesamt nicht klar erscheint. Ein Bodensatz liegt dagegen am Glas- oder Flaschenboden. Er kann beispielsweise kristallin oder flockig aussehen. Halten Sie diese Beobachtungen getrennt fest, statt beides pauschal als „trüb“ zu beschreiben.
Trübung kann auf einen Weinfehler hindeuten, gehört bei manchen Weinen aber auch zum gewählten Herstellungsstil. Aus dem Aussehen allein lässt sich das nicht sicher entscheiden. Notieren Sie den Eindruck und prüfen Sie anschließend, wie der Wein riecht und schmeckt. Ein sichtbarer Bodensatz ist ebenfalls zunächst nur eine Beobachtung und kein automatischer Beleg für schlechte Qualität.
Schlieren richtig einordnen
Nach dem Schwenken können Tropfen oder Schlieren an der Glaswand herunterlaufen. Sie werden manchmal als „Tränen“ bezeichnet. Halten Sie sie höchstens als zusätzliche Beobachtung fest: Sie sind kein Beleg für hohe Qualität und zeigen den Alkoholgehalt nicht zuverlässig an. Zucker und Alkohol beeinflussen, wie solche Spuren entstehen. Auch die Eigenschaften der Glasoberfläche spielen dabei eine Rolle.
Erst ansehen, dann probieren
Die Farbe beeinflusst Erwartungen an Geruch und Geschmack. In einer Studie mit 168 Personen beschrieben die Teilnehmenden einen künstlich rosa gefärbten Weißwein eher wie einen Roséwein. Der Versuch zeigt, dass der Seheindruck die Wahrnehmung mitprägen kann; er sagt nicht voraus, wie stark das bei jedem Wein wirkt.
Trennen Sie deshalb Beobachtung und Deutung: Schreiben Sie zuerst „blass, zitronengelb, klar“ auf. Ergänzen Sie erst nach dem Riechen und Probieren, ob Duft und Geschmack Ihren ersten Eindruck bestätigen.