Verkosten und Grundwissen

Fragen zur Weinprobe: Was die Farbe wirklich verrät

Bei einer Weinprobe fällt die Farbe zuerst auf. Sie gibt Hinweise auf Rebsorte, Herstellung und Reife, verrät allein aber weder Geschmack noch Qualität. Beurteilen Sie Klarheit, Farbintensität und Farbton deshalb getrennt.

Neigen Sie das Glas leicht über einem hellen Hintergrund. So erkennen Sie, ob der Wein klar oder trüb ist, wie kräftig seine Farbe wirkt und ob sie goldgelb, bernsteinfarben oder rubinrot erscheint.

Farbton und Farbintensität beschreiben

Der Farbton beschreibt die Farbe genauer: Ein Weißwein kann beispielsweise zitronengrün, zitronengelb, gold, bernsteinfarben oder bräunlich wirken. Bei Rosé reichen die Eindrücke von blassrosa bis orange, bei Rotwein von purpur über rubinrot bis braun.

Die Farbintensität beschreibt, wie blass oder kräftig der Wein aussieht. Neigen Sie das Glas ungefähr 45 Grad und vergleichen Sie den tieferen Bereich in der Mitte mit dem dünneren Rand. Ein Wein kann etwa einen goldenen Farbton haben und zugleich blass erscheinen. Beschreiben Sie Farbton und Farbintensität getrennt; „dunkel“ und „hell“ allein erfassen den optischen Eindruck nicht vollständig.

Notieren Sie den ersten Eindruck, bevor Sie den Wein riechen und probieren. Farbe beeinflusst Erwartungen: Eine 2019 veröffentlichte Studie mit 168 Teilnehmenden zeigte, dass erfahrene Verkoster einen künstlich rosa gefärbten Weißwein eher als Rosé beschrieben und häufiger Begriffe für rote Früchte verwendeten. Das Ergebnis zeigt den Einfluss der Farbe in diesem Versuch, belegt aber keine allgemeine Täuschung bei jeder Weinprobe.

Was die Weinfarbe über Herstellung und Reife verrät

Bei Rosé entsteht die Farbe, wenn der Most, also der Saft aus den Trauben, mit den Schalen roter Trauben in Kontakt kommt. Ein kürzerer Schalenkontakt führt grundsätzlich zu blasseren Rosés. Die Farbe liefert hier einen möglichen Hinweis auf die Herstellung, sagt aber nichts Verlässliches über die Qualität aus.

Mit zunehmender Reife verändert sich die Farbe oft: Weißwein wird häufig kräftiger und dunkler, während Rotwein oft an Farbintensität verliert. Ein goldener Weißwein kann gereift oder in einem Holzfass ausgebaut sein. Da auch Rebsorte und Traubenreife den Eindruck beeinflussen, erkennen Sie an der Farbe allein nicht sicher, welche Erklärung zutrifft.

Ein dunkler Rotwein wirkt deshalb nicht automatisch voller und kräftiger am Gaumen oder besser. Prüfen Sie das beim Riechen und Probieren. Das Auge liefert eine Beschreibung und erste Anhaltspunkte, kein abschließendes Urteil.

Trübung, Schlieren und Bodensatz

Eine deutliche Trübung kann auf einen Weinfehler hinweisen. Sie kann aber auch mit einer bewussten Herstellung zusammenhängen, etwa wenn der Wein nicht gefiltert wurde. Riechen und probieren Sie den Wein, bevor Sie die Trübung bewerten. Das Aussehen allein klärt die Ursache nicht.

Schlieren, die nach dem Schwenken am Glas hinablaufen, werden auch „Kirchenfenster“ genannt. Sie hängen damit zusammen, wie dickflüssig der Wein ist. Alkohol oder Zucker können dabei eine Rolle spielen. Aus den Schlieren lässt sich jedoch weder der Alkoholgehalt noch die Süße genau ablesen, und sie sind kein Qualitätszeichen.

Bodensatz sollten Sie genauer unterscheiden. Weinstein besteht aus Kristallen, die sich aus Mineralstoffen und Weinsäure bilden. Er ist unbedenklich und kein Qualitätsmangel. Dunkle Ablagerungen im Rotwein können unter anderem bei nicht gefilterten Weinen auftreten. Beide Erscheinungen sehen unterschiedlich aus und haben nicht dieselbe Bedeutung.

Ein rosa Schimmer in einem Weißwein beweist ebenfalls keine Oxidation, also keine Reaktion mit Sauerstoff. Eine solche Rosafärbung kann unter bestimmten Bedingungen entstehen, ohne dass sich Aroma und Geschmack häufig verändern. An der Farbe allein erkennen Sie nicht, ob der Wein fehlerhaft ist.

Weinfarbe bei der Probe einordnen

Beschreiben Sie zuerst, was Sie tatsächlich sehen. Halten Sie fest, ob der Wein klar oder trüb und blass oder kräftig wirkt, und benennen Sie den Farbton, etwa zitronengelb, gold, rosa oder rubin. Überlegen Sie erst danach, wodurch der Eindruck entsteht. Beim Probieren prüfen Sie, ob Duft und Geschmack Ihre Vermutung stützen. Wenn Sie mehrere Weine vergleichen, verwenden Sie für alle dasselbe Licht und denselben hellen Hintergrund.