Verkosten und Grundwissen

Checkliste für Ihre private Weinverkostung

Bei einer privaten Weinverkostung achten Sie auf Farbe und Duft und darauf, wie die Weine schmecken und sich im Mund anfühlen. So finden Sie heraus, welche Weine Ihnen schmecken, und üben, Ihre Eindrücke zu beschreiben. Fachwissen oder richtige Antworten brauchen Sie dafür nicht. Auch alkoholfreie Weine eignen sich. Für einen wachsenden Trend zu Verkostungsabenden zu Hause gibt es keine Belege.

Warum Weine vergleichen?

Ein einzelner Wein schmeckt anders, wenn Sie ihn direkt neben einem zweiten probieren. Eine ähnliche Rebsorte aus verschiedenen Regionen zeigt zum Beispiel, wie Herkunft und Ausbau den Eindruck prägen. Bei unterschiedlichen Rebsorten aus derselben Region steht dagegen der Rebsortenvergleich im Vordergrund. Wählen Sie ein Thema, damit Sie Unterschiede leichter einordnen können.

Auch Ihre Erwartungen beeinflussen den Eindruck. Eine randomisierte Studie von Siegrist und Cousin aus dem Jahr 2009 ergab, dass negative Informationen vor dem Probieren zu niedrigeren Bewertungen führten als positive. Wenn Sie unvoreingenommen vergleichen möchten, halten Sie deshalb Preis, Herkunft und Erzeuger zunächst zurück. Für einen geselligen Abend können Sie die Flaschen auch offen zeigen.

Weine und Gläser vorbereiten

Legen Sie zuerst Thema und Auswahl fest. Das Deutsche Weininstitut nennt sechs bis acht Weine als Richtwert für eine private Probe. Weniger reicht ebenfalls, besonders wenn Sie sich Zeit für jeden Wein nehmen möchten. Planen Sie alkoholfreie Weine ein, wenn das zur Runde passt. In Deutschland als alkoholfrei deklarierte Weine enthalten nach der geltenden Regelung weniger als 0,5 Volumenprozent Alkohol. Wenn Sie vollständig auf Alkohol verzichten, prüfen Sie den angegebenen Alkoholgehalt.

Stellen Sie identische, geruchsfreie Gläser bereit und servieren Sie Vergleichsweine bei derselben Temperatur. In einer ruhigen Umgebung und bei gleichbleibendem Licht nehmen Sie die Weine leichter wahr. Legen Sie außerdem Notizzettel bereit. Wenn Sie die Etiketten erst nach dem Probieren aufdecken, können Sie Ihre Eindrücke zuerst festhalten.

Checkliste für den Verkostungsabend

Gehen Sie die Punkte vor dem Abend durch und passen Sie Auswahl und Ablauf an Ihre Runde an.

  • Ein Thema wählen: etwa dieselbe Rebsorte aus verschiedenen Anbaugebieten oder mehrere Rebsorten aus einer Region.
  • Die Auswahl begrenzen: sechs bis acht Weine sind ein Richtwert; für einen entspannten Abend genügen auch weniger.
  • Alkoholfreie Weine berücksichtigen: Prüfen Sie den Alkoholgehalt, wenn vollständiger Verzicht wichtig ist.
  • Gleiche Bedingungen schaffen: Verwenden Sie geruchsfreie Gläser desselben Typs und servieren Sie die Vergleichsweine gleich temperiert.
  • Eine Reihenfolge festlegen: Als Faustregel gilt trocken vor lieblich, leicht vor schwer und weiß vor rot. Bei einer Jahrgangsprobe desselben Weins beginnen Sie mit dem jüngsten Jahrgang.
  • Zuerst ansehen: Beschreiben Sie Farbe und Klarheit. Leiten Sie daraus kein sicheres Urteil über Qualität oder Alter ab.
  • Dann riechen: Riechen Sie zunächst am ungeschwenkten Glas und danach noch einmal nach kurzem Schwenken. Beginnen Sie mit vertrauten Eindrücken wie Frucht, Blüte, Gewürz oder Holz.
  • Mit einem kleinen Schluck probieren: Achten Sie auf Süße, Säure, Bitterkeit und darauf, wie kräftig oder leicht sich der Wein im Mund anfühlt. Bei Rotwein können Sie zusätzlich auf Gerbstoffe achten, die ein trockenes, zusammenziehendes Gefühl hinterlassen.
  • Den Eindruck notieren: Schreiben Sie auf, was Ihnen zuerst auffällt, was sich im Glas verändert und welcher Wein Ihnen am besten gefällt.
  • Erst danach die Angaben aufdecken: Vergleichen Sie Ihre Eindrücke mit Herkunft, Rebsorte und Preis, ohne Ihre persönliche Vorliebe nachträglich als richtig oder falsch zu bewerten.

Temperatur und Reihenfolge

Für leichte, junge Weißweine nennt das Deutsche Weininstitut 9 bis 11 °C als Richtwert. Komplexere Weißweine können ein bis zwei Grad wärmer serviert werden; für Rotweine gelten 16 bis 18 °C als allgemeine Orientierung. Die passende Temperatur hängt vom Weinstil ab. Bei einem direkten Vergleich zählt vor allem, dass die Weine unter möglichst gleichen Bedingungen ins Glas kommen.

Weinkonsum und alkoholfreie Weine

Die Marktdaten zeigen Veränderungen im Weinkonsum. Einen allgemeinen Weinboom belegen sie nicht. In Deutschland wurde im Weinjahr vom 1. August 2023 bis 31. Juli 2024 weniger Wein eingekauft als im Vorjahreszeitraum. Auch der Umsatz sank. Zugleich legten alkoholfreie Weine zu: Im deutschen Handel stiegen 2025 gegenüber 2024 die Zahl der Käufer um 44 Prozent sowie Absatz und Umsatz jeweils um 25 Prozent. Der Umsatzanteil lag dennoch bei rund zwei Prozent.

Diese Zahlen beschreiben den Handel und den Konsum. Sie belegen nicht, dass mehr Menschen private Weinproben veranstalten. Für Ihre Runde heißt das vor allem: Sie können eine Verkostung so planen, dass verschiedene Vorlieben Platz haben, einschließlich einer alkoholfreien Option.