Verkosten und Grundwissen

Nützliche Apps und Hilfsmittel für Weinliebhaber

Beim Weinkauf helfen Apps, Weine wiederzufinden und Informationen nachzuschlagen. Nach einer Verkostung können Sie darin Ihre Eindrücke festhalten und später wiederfinden. Probieren Sie zuerst selbst und notieren Sie Ihre Eindrücke. Vergleichen Sie danach Bewertungen und Hintergrundwissen, damit fremde Urteile Ihren ersten Eindruck nicht vorgeben.

Für den Anfang reichen eine Notizvorlage und eine Lernquelle. Eine Keller-App lohnt sich, wenn Sie viele Flaschen lagern und den Überblick behalten möchten.

Wählen Sie das passende Werkzeug

Vivino eignet sich, wenn Sie ein Etikett scannen, einen Wein suchen oder eigene Bewertungen und Favoriten sammeln möchten. Die App bietet auch einen digitalen Keller und Informationen zu Rebsorten und Weinstilen. Weil sie Weinwissen mit Kaufmöglichkeiten verbindet, sollten Sie Empfehlungen als Orientierung behandeln und nicht als neutrale Beratung.

CellarTracker passt besser zu einer umfangreicheren Sammlung. Dort lassen sich Flaschen mit Kaufdatum und Lagerort erfassen, ebenso Verkostungsnotizen und Wunschlisten. Die Grundfunktionen und Community-Notizen sind laut Anbieter kostenlos; einige erweiterte Funktionen erfordern ein Abo. Für gelegentliche Flaschenkäufe genügt meist eine einfache Merkliste.

Wenn Sie vor allem Fakten lernen möchten, bietet der Avinis Weintrainer Quizfragen zu Themen wie Rebsorten, Regionen und Verkostungsmerkmalen. Der Anbieter nennt etwa 50 Fragen in der kostenlosen Basisversion. Die Zahl sagt allerdings nichts darüber aus, wie hilfreich oder aktuell die Fragen sind.

Notieren Sie zuerst Ihren Eindruck

Eine feste Notizkarte macht Verkostungen vergleichbarer. Halten Sie vor dem Blick auf App-Bewertungen fest, was Sie selbst wahrnehmen. Verwenden Sie dafür eine eigene Vorlage mit diesen Feldern:

  • Wein: Name, Jahrgang, Herkunft und bekannte Rebsorte
  • Aussehen: Klarheit und Farbe
  • Geruch: Intensität und eigene Aromabeschreibungen
  • Geschmack: Süße, Säure, Gerbstoffe, Alkohol und Körper
  • Abgang und Urteil: Eindruck nach dem Schlucken und ein Satz dazu, was Ihnen gefallen oder missfallen hat

Diese Felder decken die üblichen Punkte einer Weinverkostung ab. WSET, ein Anbieter von Weinausbildungen, stellt dafür eine eigene Vorlage mit Verkostungskategorien bereit. Wine Folly bietet ebenfalls eine solche Vorlage und frei zugängliche Lerninhalte zu Wein, Servieren und Speisenbegleitung. Wenn Sie eine eigene Karte erstellen, formulieren Sie sie selbst, statt eine geschützte Vorlage unverändert zu übernehmen.

Nach der Verkostung schlagen Sie Herkunft und Rebsorte nach. Notieren Sie anschließend, ob die Beschreibung zu Ihrem Eindruck passt. So bauen Sie schrittweise einen Wortschatz für den eigenen Geschmack auf, statt sich nur an einer Sternezahl zu orientieren.

Nutzen Sie Bewertungen mit Abstand

Community-Bewertungen helfen bei der Frage, ob ein Wein anderen geschmeckt hat. Sie beantworten aber nicht automatisch, ob er Ihnen gefallen wird oder wie gut er sich lagern lässt. Eine Studie zu Bordeaux-Weinen der Jahrgänge 2004 bis 2016 fand eine grundsätzliche Übereinstimmung zwischen gemittelten Vivino-Bewertungen und professionellen Kritiken. Die Bewertungen fielen etwas weniger ähnlich aus als die Kritikerurteile untereinander. Weinliebhaber können außerdem bewerten, wie gut ihnen der Wein jetzt schmeckt. Kritiker achten stärker darauf, wie gut er reifen kann.

Eine weitere Untersuchung wertete 11,8 Millionen Vivino-Bewertungen aus den Jahren 2014 bis 2020 aus. Die Zahlenbewertungen stiegen in diesem Zeitraum, während die aus den Textbeschreibungen abgeleiteten Bewertungen vergleichsweise wenig Veränderung zeigten. Die Studie definierte Erfahrung unter anderem anhand der Followerzahl, nicht anhand einer formalen Weinqualifikation. Bewertungen aus der Community sind daher ein Hinweis, aber kein objektives Maß für Weinqualität.

Schreiben Sie Ihre eigene Einschätzung auf, bevor Sie die Sternebewertung ansehen. Wenn eine App-Rezension Sie interessiert, achten Sie auf konkrete Beschreibungen und darauf, ob der Geschmack der bewertenden Person Ihrem ähnelt.

Lernen Sie in kleinen Einheiten

Für regelmäßiges Nachschlagen eignen sich die frei zugänglichen Themenübersichten von Wine Folly. Sie behandeln unter anderem Rebsorten, Verkostung und Speisenbegleitung. Der Weintrainer von Avinis ergänzt das Nachlesen durch Quizfragen. Verbinden Sie eine kurze Lerneinheit zu einer Rebsorte oder Region mit einer passenden Flasche. Nach dem Probieren halten Sie Ihre Eindrücke fest und prüfen anschließend die Hintergrundinformationen.

Bei einer kleinen Verkostung hilft eine einfache Vorbereitung. Öffnen Sie die Notizkarte oder App vor dem Einschenken und wählen Sie die Weine aus, die Sie vergleichen möchten. Erfassen Sie anschließend jeden Wein nach denselben Merkmalen. Eine Wunschliste in CellarTracker kann dabei die Auswahl sammeln; für eine einzelne Verkostung genügt auch eine handschriftliche Liste.