Verkosten und Grundwissen

Wein richtig verkosten: Eine Einführung für Einsteiger

Beim Weinverkosten achten Sie bewusst auf Farbe, Duft und Geschmack. Eine feste Reihenfolge erleichtert den Vergleich und hilft Ihnen, eigene Vorlieben zu erkennen. Sie müssen keine Aromen erraten: „fruchtig, frisch und eher leicht“ ist ein guter Anfang.

Verkostungen gehören zu vielen Weingutsbesuchen. Auch beim Weinkauf ändern sich Vorlieben, etwa hin zu alkoholfreien Weinen. Die Zahlen zeigen keinen allgemeinen Anstieg der Weinverkostungen in Deutschland. Bewusstes Probieren hilft Ihnen, Weine und den eigenen Geschmack besser kennenzulernen.

Warum Wein bewusst verkosten?

Wer Wein bewusst probiert, achtet auf mehr als die Frage, ob er schmeckt. Sie erkennen zum Beispiel, ob Sie eher frische, säurebetonte Weine mögen oder kräftige Weine mit einem langen Nachgeschmack. Solche Eindrücke helfen beim nächsten Einkauf und machen Gespräche über Wein leichter.

Ein Vergleich ist dabei oft aufschlussreicher als der Versuch, möglichst viele einzelne Aromen zu benennen. Probieren Sie zwei ähnliche Weine nacheinander und achten Sie darauf, welcher fruchtiger, trockener oder voller wirkt. So wird aus einem vagen Eindruck eine konkrete Beobachtung.

Wein in vier Schritten verkosten

Beginnen Sie mit dem Ansehen: Halten Sie das Glas gegen einen hellen Hintergrund und betrachten Sie Farbe und Klarheit. Die Farbe liefert erste Hinweise, sagt aber nicht zuverlässig voraus, ob ein Wein Ihnen schmeckt oder von hoher Qualität ist.

Riechen Sie danach am Wein, bevor Sie das Glas leicht schwenken. Der erste Eindruck kann zurückhaltend sein; durch das Schwenken gelangen mehr Duftstoffe in die Luft. Riechen Sie erneut und ordnen Sie den Duft zunächst grob ein: etwa als fruchtig, blumig, würzig, kräuterig oder holzbetont. Sie müssen keine bestimmte Frucht erkennen.

Beim Schmecken nehmen Sie einen kleinen Schluck und lassen den Wein kurz im Mund. Achten Sie auf Süße und Säure sowie auf das Mundgefühl. Bei Rotwein fällt oft das Tannin auf: Es sorgt für ein trockenes, manchmal griffiges Gefühl im Mund. Mit dem Körper ist gemeint, ob ein Wein eher leicht oder kräftig wirkt. Wärme im Mund kann auf den Alkohol hinweisen.

Zum Schluss halten Sie den Gesamteindruck fest. Wirkt der Wein frisch, weich oder kräftig? Bleibt der Geschmack nach dem Schlucken noch eine Weile erhalten? Dieser anhaltende Eindruck heißt Nachhall. Eine kurze Notiz in eigenen Worten genügt.

Wie Sie Weinaromen wahrnehmen

Beim Schlucken gelangen Duftstoffe aus dem Mund über den Rachen zur Nase. Deshalb nehmen Sie beim Schmecken mehr wahr als die Grundgeschmäcker auf der Zunge. Wenn ein Wein nach dem Schlucken anders wirkt als beim ersten Riechen, ist das eine normale Beobachtung.

Ein Aromarad, also eine Übersicht mit Aromabegriffen, kann helfen, Eindrücke zu sortieren, etwa von „fruchtig“ zu „Zitrusfrucht“ oder „Beeren“. Nutzen Sie solche Begriffe als Orientierung. Wenn Sie nur „frisch“ oder „würzig“ wahrnehmen, ist das genauso eine brauchbare Beschreibung.

Wein zu Hause verkosten

Für den Einstieg reichen zwei oder drei Weine, die Sie gut miteinander vergleichen können. Wählen Sie zum Beispiel verschiedene Weißweine oder zwei Weine aus derselben Rebsorte. Probieren Sie die Weine nacheinander und stellen Sie jeweils dieselben Fragen zu Duft, Säure, Körper und Nachhall.

Beginnen Sie mit leichteren und weniger kräftigen Weinen, bevor Sie zu intensiveren übergehen. Bei einer privaten Probe mit mehr Weinen empfiehlt das Deutsche Weininstitut als Richtwert sechs bis acht. Für Einsteiger ist eine kleinere Auswahl meist übersichtlicher. Notieren Sie kurz, welcher Wein Ihnen besser gefällt und woran das liegt. Die persönliche Vorliebe ist dabei ein eigenes Ergebnis, kein Urteil über die Qualität.

Was die Zahlen über Wein und Verkostungen zeigen

Die Kaufdaten aus Deutschland zeigen für 2024 ein deutliches Wachstum bei alkoholfreiem Wein: Gegenüber 2023 stieg die eingekaufte Menge um 86 Prozent. Der Einkaufswert nahm um 68 Prozent zu, die Zahl der Käuferinnen und Käufer um 17 Prozent. Der geschätzte Marktanteil lag dennoch bei etwa 1,5 Prozent. Das Wachstum beschreibt also eine kleine Kategorie und nicht den gesamten Weinmarkt.

Für das Weinwirtschaftsjahr 2023/24 weist das Deutsche Weininstitut zugleich einen Rückgang beim Weinkonsum aus. Der berechnete Pro-Kopf-Verbrauch für Menschen ab 16 Jahren lag bei 22,2 Litern und damit 0,3 Liter unter dem Wert der Vorperiode. Die eingekaufte Weinmenge sank gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent, der Einkaufswert um fünf Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und messen nicht dasselbe. Deshalb lassen sie sich nicht direkt vergleichen.

Verkostungen sind außerdem ein verbreitetes Angebot im Weintourismus. Im Global Wine Tourism Report 2025 boten 79 Prozent der befragten Weingüter mit Weintourismus Verkostungen an; 56 Prozent stuften Verkostungen als beliebte Aktivität ihrer Weintouristen ein. Die Befragung umfasste Weingüter aus 47 Ländern und war keine repräsentative Bevölkerungsumfrage. Sie belegt daher die Bedeutung von Verkostungen bei diesen Weingütern, aber keinen neuen Massentrend unter deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Erwartungen beeinflussen den Eindruck

Farbe und Herkunftserwartungen können die Wahrnehmung mitprägen. In einer Untersuchung beschrieben erfahrene Verkoster einen weiß gebliebenen Wein mit roséfarbener Färbung eher wie einen Roséwein. Eine weitere Studie fand unterschiedliche Bewertungen identischer Weine, wenn die Teilnehmenden verschiedene Herkunftsangaben erhielten.

Eine feste Verkostungsreihenfolge macht Eindrücke vergleichbarer, aber nicht vollkommen objektiv. Trennen Sie deshalb zwei Fragen: Was nehmen Sie am Wein wahr, und schmeckt er Ihnen? Ihre Beschreibung kann klar sein, auch wenn der Wein nicht zu Ihrem persönlichen Geschmack passt.