Den passenden Wein für Gäste finden
Sie haben Gäste eingeladen und fragen sich, welcher Wein zu den geplanten Gerichten passt und wie viel Sie einkaufen sollen. Ohne Sommelier-Wissen kommen Sie mit ein paar einfachen Regeln zu Anlass, Speisen und Menge aus, um auch mit gemischten Gästegruppen sicher zu entscheiden.
Zuerst den Anlass klären
Die Art des Anlasses bestimmt, welche Weine Sie überhaupt brauchen. Bei einem Apéro, also dem Umtrunk vor dem Essen, fließt der Wein nebenher, während er beim Sitzessen den Gang begleitet. Beim Apéro trinken die Gäste über einen längeren Zeitraum in kleinen Schlucken, oft ohne Essen. Hier eignen sich leichte, frische Weine mit moderatem Alkoholgehalt, die auch ohne Speise gut schmecken. Typische Apéro-Weine sind ein trockener Weißwein wie ein Sauvignon Blanc oder ein leichter Rosé, weil sie erfrischen und nicht satt machen.
Beim Sitzessen dagegen muss der Wein zum Essen passen. Wichtiger als der Alkoholgehalt ist die Harmonie zwischen Wein und Gericht. Dazu kommt die Dauer des Anlasses: Je länger die Gäste bleiben, desto mehr Wein wird getrunken. Bei einem langen Abend mit mehreren Gängen sollten Sie damit rechnen, dass pro Person mehr getrunken wird als bei einem kurzen Stehempfang.
Wein und Essen kombinieren
Die einfachste Faustregel lautet: Gleiches gesellt sich zu Gleichem. Helles Fleisch wie Geflügel oder Kalb passt zu hellen, leichten Weinen, während kräftiges dunkles Fleisch wie Rind oder Lamm einen kräftigen Rotwein verträgt. Diese Regel funktioniert, weil ähnlich kräftige Weine und Gerichte einander nicht übertönen.
Wer sich mit Wein besser auskennt, kann mit Gegensätzen spielen. Ein klassisches Beispiel ist edelsüßer Wein zu Blauschimmelkäse, weil der süße Wein die Schärfe und Salzigkeit des Käses ausbalanciert. Solche Kombinationen sind einen Versuch wert, erfordern aber etwas Erfahrung. Für den Alltag mit Gästen bleibt die Ähnlichkeitsregel die sichere Wahl.
Konkret heißt das für häufige Gerichte: Zu Meeresfrüchten und Fisch passen frische Weißweine mit wenig Holz, etwa ein Riesling oder ein Pinot Grigio. Zu gegrilltem Fleisch, egal ob Steak oder Bratwurst, greifen Sie zu einem kräftigen Rotwein wie einem Shiraz oder einem Cabernet Sauvignon. Für süßes Gebäck wie Kuchen oder Desserts servieren Sie am besten einen Wein, der mindestens so süß ist wie das Gebäck selbst, sonst schmeckt er sauer und dünn.
Die richtige Menge kalkulieren
Drei Faktoren bestimmen die Menge: die Anzahl der Gäste, ihr Trinkverhalten und die Verteilung zwischen Rot- und Weißwein. Ein Weinbedarfsrechner kann diese Faktoren berechnen, aber auch ohne Rechner kommen Sie mit einer einfachen Überlegung weiter.
Beim Apéro steigt die benötigte Menge fast gleichmäßig mit der Dauer, denn je länger die Gäste stehen und plaudern, desto mehr Wein wird getrunken. Als grobe Orientierung gilt: Rechnen Sie pro Person und Stunde mit etwa einem Glas Wein. Bei einem zweistündigen Apéro mit acht Gästen sind das rund drei bis vier Flaschen, je nach Glasgröße.
Beim Sitzessen ist die Rechnung anders, weil der Wein die Gänge begleitet. Entscheidend ist, wie viele Gänge Sie servieren und ob die Gäste überwiegend Weintrinker sind. Eine Flasche Wein ergibt etwa fünf bis sechs Gläser. Wenn Sie pro Person mit zwei bis drei Gläsern über den Abend rechnen, brauchen Sie für vier Personen etwa zwei Flaschen, für acht Personen drei bis vier Flaschen.
Bedenken Sie dabei das Trinkverhalten Ihrer Gäste. Eine Gruppe, die überwiegend Bier trinkt, wird weniger Wein trinken als eine Runde bekennender Weinfreunde. Im Zweifel fragen Sie vorher unauffällig nach, oder kaufen Sie eine Flasche mehr. Übrig gebliebener Wein hält sich verschlossen mehrere Tage und ist kein Verlust.
Verantwortungsvoll ausschenken
Neben Geschmack und Menge geht es auch um Verantwortung gegenüber Ihren Gästen. Weine mit hohem Alkoholgehalt wirken schneller und belasten den Abend. Für ein langes Essen eignen sich Weine mit moderatem Alkoholgehalt besser, weil die Gäste länger nüchtern bleiben und das Gespräch angenehm bleibt.
Achten Sie außerdem darauf, dass nicht alle Gäste Wein trinken möchten oder dürfen. Schwangere, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder schlicht Autofahrer freuen sich über alkoholfreie Alternativen. Bieten Sie neben dem Wein auch Wasser, Saft oder alkoholfreien Wein an. Das gehört zu einer guten Gastgeberschaft dazu.
Wenn Sie Wein ausschenken, füllen Sie die Gläser nur zu einem Drittel. Das sieht nicht nur eleganter aus, sondern hilft auch, den Überblick darüber zu behalten, wie viel Ihre Gäste getrunken haben. So erkennen Sie, wann eine Pause oder das Ende des Abends ansteht.