Verkosten und Grundwissen

Wein verkosten in vier einfachen Schritten

Beim Verkosten nehmen Sie Wein bewusst mit Augen, Nase und Mund wahr. Die feste Reihenfolge hilft Ihnen, Ihre Eindrücke zu ordnen und Ihren Geschmack besser kennenzulernen. Fachbegriffe brauchen Sie nicht: „frisch und fruchtig“ beschreibt einen Wein ebenso gut wie eine genaue Aromennote.

Die vier Schritte helfen beim Vergleich verschiedener Weine und funktionieren zu Hause ebenso wie im Restaurant. Das belegt keinen allgemeinen Boom beim Weinverkosten.

Warum Weinverkosten reizt

Wenn Sie Wein Schritt für Schritt probieren, bemerken Sie mehr als nur, ob er Ihnen schmeckt. Sie können zum Beispiel unterscheiden, ob ein Wein vor allem fruchtig duftet, deutlich säuerlich schmeckt oder sich kräftig im Mund anfühlt. Das macht den Vergleich verschiedener Weine leichter und hilft Ihnen, Vorlieben konkreter zu benennen.

Auch aus der Gastronomie gibt es Hinweise auf mehr Interesse an Verkostungen. In einer 2025 veröffentlichten Befragung unter Mitgliedern der Sommelier-Union Deutschland berichteten fast 80 Prozent von wachsendem Interesse an hochwertigen Weinen im glasweisen Ausschank. Der Bericht nannte außerdem eine steigende Nachfrage nach Verkostungsveranstaltungen. Da die Befragten in der Weinbranche arbeiteten und der Bericht keine Teilnehmerzahl nannte, belegen die Ergebnisse keinen allgemeinen Trend in der Bevölkerung.

Die Zahlen zum Weinkonsum zeigen ein anderes Bild: Laut einer vom Deutschen Weininstitut veröffentlichten Marktanalyse sank die in Deutschland eingekaufte Weinmenge 2024 um vier Prozent, der damit erzielte Umsatz um fünf Prozent. Einkaufsmengen und Nachfrage nach einzelnen Verkostungsformaten messen unterschiedliche Dinge. Laut Bericht stieg das Interesse an einzelnen Verkostungsformaten, während der Weinkonsum insgesamt zurückging.

So verkosten Sie Wein

Für den Anfang reichen zwei Weine, saubere Gläser und ein ruhiger Moment. Verwenden Sie möglichst gleiche Gläser und servieren Sie die Weine bei vergleichbarer Temperatur. Halten Sie Ihre Eindrücke in einfachen Worten fest. Es geht nicht darum, eine bestimmte Frucht oder Gewürznote erraten zu müssen.

1. Farbe und Klarheit ansehen

Schauen Sie durch das Glas und achten Sie darauf, ob der Wein klar oder trüb wirkt und ob seine Farbe blass oder kräftig erscheint. Bei Schaumwein fallen außerdem die Bläschen ins Auge. Farbe und Klarheit geben erste Hinweise. Sie zeigen aber nicht allein, wie der Wein schmeckt oder wie gut er ist.

Fragen Sie sich einfach: Was fällt mir zuerst auf? Eine kurze Notiz wie „hell und klar“ genügt.

2. Erst riechen, dann schwenken

Riechen Sie zunächst am ungeschwenkten Wein. Schwenken Sie das Glas danach leicht und riechen Sie erneut. Beim Schwenken gelangen mehr Duftstoffe in die Luft über dem Wein. So nehmen Sie weitere Gerüche wahr.

Suchen Sie nach vertrauten Vergleichen: Erinnert der Duft eher an Früchte, Blüten, Kräuter, Gewürze oder Holz? Wenn Sie keine passende Beschreibung finden, reicht auch „fruchtig“ oder „zurückhaltend“. Für den Duft fallen uns meist mehr Beschreibungen ein als für die Grundgeschmacksrichtungen.

3. Geschmack und Mundgefühl prüfen

Nehmen Sie einen kleinen Schluck und achten Sie darauf, wie der Wein schmeckt und sich im Mund anfühlt. Süße, Säure und Bitterkeit sind unterschiedliche Eindrücke. Ein Rotwein kann zusätzlich ein trockenes, zusammenziehendes Gefühl am Zahnfleisch hinterlassen. Dieses Gefühl entsteht durch Gerbstoffe, auch Tannine genannt.

Trennen Sie beim Beschreiben Geschmack und Duft: „säuerlich und nach Beeren duftend“ sagt mehr aus als „fruchtig“. Fragen Sie sich auch, ob der Wein leicht oder kräftig wirkt. Sie müssen dabei keine bestimmten Aromen erkennen.

4. Nachhall und Vorliebe festhalten

Schlucken Sie oder spucken Sie den Wein aus und warten Sie kurz. Achten Sie darauf, was im Mund zurückbleibt und wie lange der Eindruck anhält. Dieser Nachhall kann fruchtig, würzig oder einfach kurz sein.

Notieren Sie zum Schluss, ob Sie den Wein wieder trinken würden. Eine Notiz wie „frisch, säuerlich, würde ich zum Essen wählen“ ist für spätere Vergleiche nützlicher als eine allgemeine Bewertung. Ihre Wahrnehmung hängt auch davon ab, ob Sie ausgeruht sind und wie gut Sie gerade riechen und schmecken. Bei Erkältung, Heuschnupfen oder Müdigkeit fallen Eindrücke anders aus.