Drei konkrete Beispiele für gelungene Weinproben
Eine Weinprobe gelingt, wenn sie eine konkrete Frage beantwortet: Was rieche ich? Worin unterscheiden sich zwei Weine? Wie verändert Essen meinen Eindruck? Fachwissen und Bewertungsbogen sind dafür nicht nötig; vergleichbare Weine und Zeit zum Probieren genügen.
Es gibt keine Belege dafür, dass Weinproben als Markttrend zunehmen. Drei Formate machen eine kleine Runde spannend und lehrreich.
Weinaromen ohne Prüfungsdruck entdecken
Bei einer Entdeckungsprobe probieren Sie drei bis fünf Weine und lassen die Gäste zunächst ihre eigenen Eindrücke notieren. Fragen Sie zum Beispiel: Riecht der Wein eher fruchtig, würzig oder pflanzlich? Wirkt er süß oder säuerlich? Fühlt er sich leicht oder kräftig an?
Der Geruch prägt stark, wie ein Wein auf Sie wirkt. Riechen Sie deshalb vor dem ersten Schluck am Glas und prüfen Sie Ihre Eindrücke anschließend beim Probieren. Ein Aromarad ordnet Gerüche in Gruppen und hilft Ihnen, allgemeine Eindrücke genauer zu beschreiben. Wenn Sie zunächst „Frucht“ notieren, können Sie später überlegen, ob Sie Zitrus, Apfel oder Beeren meinen. Die Begriffe sind eine Hilfe. Es gibt dabei keine einzige richtige Antwort.
Ein einfacher Ablauf hält die Runde entspannt: Betrachten Sie den Wein, riechen Sie daran und probieren Sie dann einen Schluck. Notieren Sie, was Ihnen auffällt, bevor Sie gemeinsam darüber sprechen. Ein Verkostungsbogen kann die Eindrücke nach Aussehen, Geruch und Geschmack ordnen; für eine private Runde genügt aber auch ein Blatt Papier. Das Deutsche Weininstitut betont, wie wichtig Riechen und Aromabegriffe für die Orientierung sind.
Drei Rieslinge direkt vergleichen
Für eine Vergleichsprobe wählen Sie drei trockene Rieslinge aus unterschiedlichen deutschen Anbaugebieten. Wählen Sie möglichst ähnliche Stilrichtungen und vergleichbare Qualitätsstufen. So können Sie die Unterschiede zwischen den Weinen leichter besprechen, ohne zugleich viele andere Unterschiede berücksichtigen zu müssen.
Servieren Sie die Weine nacheinander und stellen Sie jeweils dieselben Fragen: Wie deutlich ist die Säure? Welche Frucht fällt auf? Welcher Wein wirkt leichter oder kräftiger? Zum Schluss hält jede Person fest, welcher Wein ihr am besten schmeckt und warum. Zwei bis fünf verwandte Weine bilden in der Verkostungspraxis häufig eine überschaubare Vergleichsgruppe. Das ist eine praktische Orientierung, keine feste Regel für jede Runde.
Sie müssen keine Herkunft zum Sieger erklären. Vielleicht gefällt einer Person die frische Säure des einen Rieslings, während eine andere den kräftigeren Eindruck eines anderen bevorzugt. Beim direkten Vergleich erkennen Sie, welche Unterschiede Ihnen wichtig sind. Auch das Weinoffice Berlin bietet Proben nach Rebsorte oder Herkunft an. Die dort genannten Gruppengrößen und Weinanzahlen beziehen sich auf dieses Angebot.
Wein mit Essen verkosten
Bei einer Genussprobe probieren Sie denselben Wein zuerst allein und danach mit zwei kleinen Happen, zum Beispiel mit salzigem Käse und einer milden Beilage. Wechseln Sie jeweils nur das Essen. So können die Gäste besser einschätzen, ob sich Süße, Säure, Frucht oder Nachhall durch das Essen verändern.
Agroscope beschreibt, dass Speisen Weineigenschaften ergänzen, verstärken oder abschwächen können. Wie eine Kombination schmeckt, hängt jedoch auch von der Person ab. Deshalb gibt es für die Runde keine verbindliche Antwort darauf, welche Kombination die „richtige“ ist. Entscheidend ist, ob der Wein mit dem jeweiligen Happen anders wirkt und welche Kombination den Gästen gefällt.
Diese Probe passt besonders gut zu einem gemeinsamen Essen, weil sie zeigt, wie stark das Essen den Eindruck vom Wein beeinflusst. Halten Sie die Beobachtung einfach fest: Was schmeckte allein anders, und was änderte sich zusammen mit dem Essen? So bleibt die Verkostung alltagsnah, ohne aus einer persönlichen Vorliebe eine allgemeine Regel zu machen.
Wie Etikett und Preis den Weineindruck prägen
Auch Erwartungen beeinflussen, wie Menschen Wein bewerten. In einer 1999 veröffentlichten Untersuchung probierten 57 französische Önologie-Studierende denselben Wein unter zwei verschiedenen Bezeichnungen. 52 bewerteten ihn besser, wenn er als Grand Cru präsentiert wurde. Ein Experiment der Universität Bonn zeigte ebenfalls einen Preiseffekt: 30 Teilnehmende bewerteten denselben Wein im Durchschnitt besser, wenn ein höherer Preis angezeigt wurde. Diese Ergebnisse zeigen, was in den jeweiligen Versuchen geschah. Sie zeigen nicht, wie alle Weintrinkenden reagieren.
Lassen Sie die Gäste bei einer privaten Probe zuerst ihre Eindrücke notieren und zeigen Sie Etiketten oder Preise erst danach. Anschließend können Sie besprechen, ob diese Informationen den Eindruck verändert haben. Bei einer Blindprobe, bei der Sie Etiketten und Preise zunächst nicht zeigen, lassen sich solche Erwartungen zeitweise ausblenden. Das macht das Urteil aber nicht automatisch objektiv.
Auch die Atmosphäre beeinflusst einzelne Wahrnehmungen. Eine Studie mit 53 Personen fand Unterschiede bei einzelnen Eindrücken, etwa darin, wie intensiv blumige Aromen wirkten. Eine Restaurantumgebung oder virtuelle Kulisse machte den Wein jedoch nicht allgemein beliebter. Eine angenehme Umgebung gehört zum Erlebnis, sagt aber allein nicht aus, ob ein Wein gefällt.