Verkosten und Grundwissen

Fragen und Antworten rund um die Weinverkostung

Bei einer Weinverkostung betrachten, riechen und probieren Sie den Wein. Ein einfacher Ablauf hilft Ihnen, Ihre Eindrücke zu ordnen und Weine zu vergleichen. Dafür brauchen Sie kein Fachwissen und keine besonderen Begriffe.

Weinverkostungen gehören zu vielen Weingutsbesuchen. Ob in Deutschland heute häufiger Wein verkostet wird als früher, ist unklar. Beim Probieren lernen Sie Ihren Geschmack besser kennen und merken, wie Erwartungen Ihr Urteil beeinflussen.

Was bringt eine Weinverkostung?

Beim Verkosten erkennen Sie Unterschiede zwischen Weinen leichter. Sie können etwa darauf achten, ob ein Wein süß oder trocken wirkt, wie kräftig seine Säure ist und welche Aromen Sie wahrnehmen. So lernen Sie mit der Zeit, genauer zu beschreiben, was Ihnen schmeckt.

Beim privaten Genuss beurteilen Sie, ob Ihnen der Wein gefällt und warum; Rebsorte, Herkunft oder Jahrgang müssen Sie dafür nicht erraten. Ein gemeinsames Vorgehen hilft beim Vergleichen, gibt aber keine verbindliche Bewertung vor.

Wie verkosten Sie Wein ohne Vorkenntnisse?

Gehen Sie in vier Schritten vor:

  1. Sehen Sie sich Farbe und Klarheit an.
  2. Riechen Sie am Wein, bevor Sie das Glas vorsichtig schwenken und noch einmal daran riechen.
  3. Nehmen Sie einen kleinen Schluck. Achten Sie auf Süße und Säure sowie auf die Aromen, also die Duft- und Geschmackseindrücke. Beachten Sie auch die Gerbstoffe, die ein trockenes oder zusammenziehendes Gefühl im Mund hinterlassen, und den Körper, also wie voll oder leicht der Wein wirkt.
  4. Halten Sie Ihren Eindruck in einfachen Worten fest, zum Beispiel „frisch“, „herb“ oder „fruchtig“.

Der Geruch vor dem Schwenken zeigt Ihnen, was Sie zuerst wahrnehmen. Durch das Schwenken gelangen mehr Duftstoffe in die Luft über dem Wein. Ein kleiner Ausschank lässt Platz dafür, das Glas zu bewegen. Beides unterstützt die Wahrnehmung, ist aber kein Pflichtprogramm.

Warum riechen Sie am Wein?

Viele konkrete Aromen nehmen Sie über den Geruchssinn wahr. Die Zunge registriert grundlegende Geschmacksrichtungen wie süß und sauer; Eindrücke wie Beeren, Zitrus oder Gewürze hängen stark mit dem Riechen zusammen. Deshalb riechen Sie am Wein, bevor und während Sie ihn probieren.

Sie müssen dabei keine bestimmten Aromen erkennen. Wenn Sie einen Wein als „fruchtig“ oder „würzig“ beschreiben, ist das bereits eine brauchbare Beobachtung. Fachbegriffe sind Lernhilfen, keine Voraussetzung für eine gelungene Verkostung.

Was beeinflusst Ihren Eindruck?

Preis, Etikett und Präsentation können Ihre Erwartungen prägen. In einer Feldstudie mit 140 Teilnehmenden wurden drei Weine unter unterschiedlichen Preisangaben probiert. Ein günstiger Wein erhielt eine bessere Bewertung für seine Angenehmheit, wenn er fälschlich mit einem höheren Preis ausgezeichnet war. Die Ergebnisse zeigten jedoch keinen einfachen Zusammenhang, nach dem ein höherer Preis jeden Wein besser schmecken lässt.

Eine Blindverkostung, bei der Etikett und Preis zunächst verborgen bleiben, hilft, solche Hinweise beim Vergleichen auszublenden. Sie macht das Urteil trotzdem nicht vollständig objektiv. Ihr persönlicher Geschmack bleibt entscheidend.

Auch Glasform, Temperatur, Beleuchtung, Geräusche und zuvor gegessene Speisen beeinflussen Ihren Eindruck. Müdigkeit, eine verstopfte Nase oder starke Gerüche im Raum spielen ebenfalls eine Rolle. Wenn ein Wein heute anders wirkt als bei einer früheren Probe, muss sich der Wein selbst also nicht verändert haben.

Wie lernen Sie, Wein zu verkosten?

Übung hilft Ihnen, Unterschiede genauer wahrzunehmen und passende Worte dafür zu finden. Beim Vergleich mehrerer Weine erkennen Sie zum Beispiel Unterschiede bei Säure und Körper. Notieren Sie Ihre Eindrücke direkt, statt später allein auf Ihr Gedächtnis zu vertrauen.

Eine Untersuchung einer studentischen Blindverkostungsgruppe fand im Verlauf einer Trainingssaison Verbesserungen bei bestimmten Zuordnungen, darunter der Rebsorte. Das belegt einen Trainingseffekt für diese Gruppe und diese Aufgaben. Es bedeutet nicht, dass Übung Herkunft oder Jahrgang jedes Weins zuverlässig erkennbar macht.

Ist Weinverkostung gerade ein Trend?

Die Daten zeigen Veränderungen beim Weinkauf, aber keinen allgemeinen Anstieg von Weinverkostungen in Deutschland. Nach einer Analyse des Deutschen Weininstituts wuchs die 2024 eingekaufte Menge alkoholfreier Weine gegenüber 2023 um 86 Prozent. Der geschätzte Marktanteil blieb mit etwa 1,5 Prozent dennoch klein. Im selben Jahr sank die gesamte eingekaufte Weinmenge um 4 Prozent und der Umsatz um 5 Prozent.

Auch viele Weingüter bieten Verkostungen an: Im weltweiten Bericht zum Weintourismus 2025 nannten 79 Prozent der untersuchten Weingüter mit touristischem Angebot eine Verkostung. Diese Zahl zeigt, wie viele der untersuchten Weingüter Verkostungen anbieten. Sie belegt aber weder eine wachsende Nachfrage noch einen deutschen Verkostungstrend. Weinverkostung ist damit ein fester Bestandteil vieler Besuche auf Weingütern; wie häufig Verbraucherinnen und Verbraucher privat oder öffentlich verkosten, zeigen diese Zahlen nicht.