Wein

Welcher Wein passt zur Käseplatte?

Wer eine Käseplatte auftischt, greift aus Gewohnheit oft zum Rotwein – einer der hartnäckigsten Irrtümer der Weinwelt. Für viele Käsesorten sind frische Weißweine, Champagner oder süße Weine die bessere Wahl. Entscheidend ist, wie Säure, Frucht, Süße und Struktur des Weins zum Charakter des Käses passen. Die Farbe spielt eine kleinere Rolle, als viele annehmen.

Mit ein paar Grundregeln finden Sie für jede Käsesorte den passenden Wein und stellen die Platte so zusammen, dass alle Kombinationen funktionieren.

Warum Rotwein nicht automatisch passt

Die Vorstellung, dass zu Käse grundsätzlich Rotwein gehört, hält sich hartnäckig. Sie stimmt aber nur in einem engen Rahmen. Viele Käsesorten sind fein und cremig. Ein kräftiger Rotwein mit viel Gerbstoff, also Tannin, überlagert solche Käse und schmeckt zusammen mit dem Fett bitter oder metallisch. Besonders bei milden, jungen Käsen geht der Geschmack des Weins einfach unter.

Das heißt nicht, dass Rotwein auf der Käseplatte nichts verloren hat. Gereifte Käsesorten mit fester Struktur und kräftigem Eigengeschmack vertragen auch einen Rotwein, dessen Tannine weich und ausgereift sind. Die Grundregel lautet aber: Prüfen Sie zuerst, was der Käse braucht, und entscheiden Sie dann über die Weinfarbe.

Säure, Süße, Frucht und Struktur

Vier Eigenschaften des Weins entscheiden darüber, ob er zu einem Käse passt: Säure, Süße, Frucht und Struktur.

Säure ist der wichtigste Partner auf der Käseplatte. Sie schneidet durch das Fett, erfrischt den Gaumen und bringt den Eigengeschmack des Käses heraus. Ein Wein mit wenig Säure wirkt neben fettem Käse schnell schwer und matt. Süße gleicht Salz und Schärfe aus, deshalb funktionieren süße Weine besonders gut bei kräftigen, salzigen Käsen. Frucht und Gewürznoten können den Käse ergänzen, dürfen ihn aber nicht übertönen. Struktur meint Körper und Gerbstoff: Ein voller, tanninreicher Wein dominiert, ein leichter, feiner Wein lässt dem Käse Raum.

Eine einfache Entscheidungshilfe: Fragen Sie sich, ob der Käse eher zart und cremig oder kräftig und würzig ist. Zarte Käse brauchen frische, leichte Weine. Kräftige Käse vertragen mehr Körper, Süße oder Würze im Glas.

Weißwein für milde und cremige Käse

Milde und cremige Käsesorten wie Brie, Camembert, junger Ziegenkäse oder Frischkäse passen am besten zu frischen, eleganten Weißweinen. Ein trockener Riesling, ein Sauvignon Blanc oder ein ungeholzter Chardonnay bringen die Säure mit, die das Fett ausgleicht, ohne den zarten Käse zu überdecken. Die dezente Frucht solcher Weine ergänzt die milde Cremigkeit, statt mit ihr zu konkurrieren.

Achten Sie darauf, dass der Weißwein trocken oder nur leicht restsüß ist. Ein süßer Weißwein wirkt neben einem milden Käse schnell zu süß und verschluckt den feinen Geschmack des Käses.

Champagner und andere Schaumweine

Champagner ist für viele Käsesorten die eleganteste Lösung, und das aus einem praktischen Grund: Die Kohlensäure und die frische Säure reinigen den Gaumen zwischen den Bissen. Dadurch schmeckt jeder Käse wieder neu, und auch fette oder cremige Sorten wirken leichter. Champagner und andere Schaumweine eignen sich deshalb hervorragend für eine gemischte Platte, auf der verschiedene Käsesorten nebeneinanderliegen.

Ein trockener Champagner oder ein anderer Schaumwein mit klarer Säure passt sowohl zu milden als auch zu gereiften Käsen. Wenn Sie nur eine Flasche für die ganze Platte öffnen möchten, ist ein Schaumwein oft die sicherste Wahl.

Süße Weine zu Blauschimmelkäse

Blauschimmelkäse wie Roquefort, Gorgonzola oder Stilton ist salzig, scharf und kräftig. Genau hier ist ein süßer Wein dem trockenen überlegen. Süße Weine wie Sauternes, Portwein oder ein edelsüßer Weißwein gleichen das Salz und die Schärfe aus. Die Kombination aus süß und salzig ist ein klassisches Zusammenspiel, das beide Seiten besser schmecken lässt.

Ein trockener Wein wirkt neben Blauschimmelkäse dagegen oft hart und kantig, weil die Salzigkeit des Käses die Säure des Weins betont. Wer Blauschimmelkäse auf der Platte hat, sollte daher zumindest ein Glas süßen Wein dazu anbieten.

Wein zu Hartkäse und gereiftem Käse

Hartkäse und gereifte Sorten wie alter Gouda, Comté, Gruyère oder Bergkäse haben eine feste Struktur und einen kräftigen, nussigen Eigengeschmack. Sie vertragen deshalb mehr als zarte Käse. Ein voller Weißwein mit guter Säure, ein gereifter Rotwein mit weichen Tanninen oder ein Sherry können hier gut passen. Entscheidend ist, dass der Wein genug Körper und Geschmack mitbringt, um neben dem kräftigen Käse zu bestehen.

Bei sehr altem, kristallinem Käse greifen Sie zu einem Wein mit etwas Süße oder zu einem gereiften Sherry. Die Süße und die nussigen Noten treffen den Geschmack des Käses besser als ein neutraler Trockener.

So stellen Sie die Platte zusammen

Auf einer gemischten Platte liegen meist Käse mit sehr unterschiedlichem Charakter. Ein einziger Wein kann nicht zu allen perfekt passen. Sie haben drei Möglichkeiten: einen Wein wählen, der zu den meisten Sorten passt, zwei Weine anbieten oder die Käse so anordnen, dass die Gäste gezielt kombinieren können.

Als einziger Wein für eine gemischte Platte eignen sich ein trockener Riesling oder ein Champagner am besten, weil beide Säure mitbringen und weder zu schwer noch zu süß sind. Wenn Sie zwei Weine anbieten möchten, wählen Sie einen frischen Weißwein für die milden und gereiften Käse und einen süßen Wein für den Blauschimmelkäse. Ordnen Sie die Käse auf der Platte von mild nach kräftig an, damit jeder Gast die Reihenfolge selbst bestimmen kann.

Servieren Sie den Käse rechtzeitig vor dem Essen, damit er Zimmertemperatur erreicht. Kalter Käse schmeckt flach, und erst bei Zimmertemperatur entfalten sich Aroma und Konsistenz. Den Weißwein und den Champagner servieren Sie dagegen leicht gekühlt.

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