Wenn die Temperaturen sinken, kommen Eintöpfe, Braten und Wildgerichte auf den Tisch. Viele greifen dann zu Rotwein, doch nicht jeder rote Tropfen passt zu jedem Gericht. Entscheidend sind der Stil des Weins, die Serviertemperatur und die Kombination mit dem Essen. Wer diese drei Punkte beachtet, findet auch im Winter den passenden Wein – ohne sich an Rebsorten oder Preisklassen festzubeißen.
Leichte, mittlere und kräftige Rotweine
Rotweine gibt es grob in drei Stilgruppen, die sich in Tanninen und Körper unterscheiden. Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe aus Schale und Kernen, die dem Wein Biss und Struktur geben. Sie binden sich an Protein und Fett und schmecken dadurch weicher. Ohne fettige oder proteinreiche Speisen wirken tanninreiche Weine dagegen hart und bitter.
Leichte Rotweine wie Pinot Noir oder Gamay haben wenig Tannin, helle Frucht und viel Säure. Sie wirken fast wie kräftige Weißweine und passen zu Geflügel, Pilzgerichten oder mildem Käse. Mittlere Rotweine wie Merlot oder Sangiovese haben mehr Struktur und Tannin, bleiben aber zugänglich und vielseitig. Sie eignen sich für Tomatengerichte, Pasta mit Fleischsauce oder geschmorte Gemüse. Kräftige Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Syrah oder Nebbiolo haben viel Tannin, hohen Körper und oft Barrique-Würze. Sie verlangen nach kräftigen Speisen wie Rinderbraten, Wild oder gereiftem Käse, weil das Fett und Protein die Tannine einbindet.
Für die kalte Jahreszeit greifen Sie am besten zu mittleren und kräftigen Rotweinen, wenn Sie Schmorgerichte oder Braten servieren. Ein leichter Pinot Noir kann aber genauso gut passen, wenn das Essen zarter ist, etwa bei einem Pilzrisotto oder einer Geflügelpfanne.
Die richtige Serviertemperatur
Die Serviertemperatur entscheidet oft mehr über den Genuss als die Rebsorte. Zu kalter Weißwein verliert seine Aromen, übrig bleibt nur die Säure. Auch Rotwein verträgt keine Zimmertemperatur, wenn die Wohnung warm geheizt ist. Ein roter Côtes-du-Rhône bei Zimmertemperatur wirkt überladen, marmeladig und alkoholisch und brennt im Rachen. Bei 16 Grad Celsius zeigt derselbe Wein eine schöne, nicht dominierende Frucht, eine würzige Note und gut eingebundene Tannine.
Das Beispiel zeigt, wie stark die Temperatur den Eindruck verändert. Sie müssen nicht jeden Rotwein auf exakt 16 Grad bringen, aber kräftige Rotweine, die in einem warmen Raum stehen, sollten Sie etwas kühlen, etwa in den Kühlschrank stellen. Leichte Rotweine vertragen sogar etwas weniger. Weißwein sollten Sie nicht direkt aus dem Kühlschrank servieren, sondern zehn bis fünfzehn Minuten vor dem Einschenken herausholen, damit sich die Aromen öffnen können.
Passende Speisen zur kalten Jahreszeit
Wintergerichte sind oft reichhaltig und würzig, was die Weinwahl beeinflusst. Zu einem kräftigen Rindergulasch passt ein Syrah oder ein Cabernet Sauvignon, weil die Tannine durch das Fett des Fleisches weicher werden. Ein Lammbraten passt zu einem Nebbiolo, der genug Struktur für das kräftige Fleisch mitbringt. Wildgerichte mit Rotkohl und Klößen vertragen einen mittelkräftigen Spätburgunder, der nicht zu schwer ist und zu den fruchtigen Noten des Rotkohls passt.
Auch Eintöpfe mit Hülsenfrüchten oder Wurzelgemüse passen gut zu Wein. Ein Merlot oder Sangiovese passt zu Linseneintopf mit Würstchen, weil die Säure die erdigen Aromen ausgleicht. Bei Käsegerichten wie einem überbackenen Gratin greifen Sie zu einem leichten bis mittleren Rotwein, damit der Wein nicht den Geschmack des Gerichts überdeckt.
Weißwein im Winter
Weißwein ist auch in der kalten Jahreszeit eine Option, besonders wenn Sie Fisch, Geflügel oder helle Saucen servieren. Entscheidend ist, dass Sie ihn nicht zu kalt trinken. Ein Chardonnay mit etwas Holz oder ein kräftiger Weißburgunder passt zu einem Rahmgericht oder einem gebratenen Fisch. Auch ein trockener Riesling passt zu einer würzigen Suppe, weil seine Säure die Schärfe ausgleicht. Wer im Winter lieber Weißwein trinkt, sollte also nicht zur eisgekühlten Flasche greifen, sondern den Wein rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen.
