Das Aussehen eines Weins verrät Rebsorte, Alter und Zustand.
Ein klarer, sauberer Wein ist in Ordnung. Starke Trübungen weisen auf Fehler hin. Die Farbe verrät, wie der Wein hergestellt wurde und gereift ist. Sie ist kein Urteil über die Qualität.
Die Klarheit beurteilen
Der erste Blick gilt der Klarheit. Ein guter Wein ist klar und frei von Schwebeteilchen. Halten Sie das Glas gegen das Licht und achten Sie auf Partikel, die im Glas schwimmen oder sich am Boden absetzen. Ein klarer Wein ist gleichmäßig durchscheinend und hat keine störenden Einschlüsse.
Eine leichte Trübung müssen Sie nicht sofort als Fehler werten. Bei jungen Rotweinen und naturbelassenen Weinen tritt sie regelmäßig auf und ist unbedenklich. Naturweine werden oft nicht filtriert, deshalb bleiben feine Trubpartikel im Glas zurück. Solange der Wein klar genug ist, um die Farbe gut zu erkennen, ist die Trübung kein Qualitätsmangel.
Wann Trübung ein Fehler ist
Starke Trübungen und Flockenbildung sind dagegen ein Warnsignal. Wenn der Wein milchig wirkt oder sichtbare Flocken enthält, ist das ein Zeichen für einen Fehler. Oxidation und eine fehlerhafte Gärung gehören zu den häufigsten Ursachen. Der Wein hat dann meist auch geschmacklich gelitten. Das Aussehen ist nur der erste Hinweis.
Ein einfacher Test hilft bei der Einordnung: Schwenken Sie das Glas und beobachten Sie, ob sich die Trübung auflöst oder ob die Partikel hartnäckig bleiben. Bei einem jungen, ungefilterten Wein setzen sich feine Partikel langsam ab und der Wein wird klarer. Bei einem fehlerhaften Wein bleibt die Trübung bestehen und wird oft von einem unangenehmen Geruch begleitet.
Orange Wine
Orange Wine, auch Amber Wine oder Skin-Contact Wine genannt, bildet eine eigene Kategorie. Er wird aus weißen Trauben hergestellt, aber wie ein Rotwein verarbeitet: Die Maische bleibt über Wochen mit den Schalen in Kontakt. Dadurch nehmen die Trauben Farbstoffe und Gerbstoffe aus den Schalen auf, und der Wein erhält eine kräftige Farbe, die von dunklem Gold bis zu sattem Orange reicht.
Orange Wine gilt als vierte Weinfarbe, zwischen Weiß, Rot und Rosé. Die intensive Farbe spiegelt hier die Herstellungsmethode wider und ist kein Zeichen für Qualität oder Reife. Ein blasser Orange Wine kann genauso gut sein wie ein kräftig gefärbter. Wenn Sie einen solchen Wein beurteilen, sehen Sie die Farbe als Ausdruck des Ausbauverfahrens, nicht als Bewertungsmaßstab.
Die Farbe richtig beurteilen
Um die Farbe richtig zu beurteilen, brauchen Sie eine neutrale Umgebung. Halten Sie das Glas gegen einen weißen Hintergrund, zum Beispiel ein Blatt Papier oder eine weiße Tischdecke. Natürliches Tageslicht eignet sich am besten, künstliches Licht verfälscht die Farbwahrnehmung. Neigen Sie das Glas leicht, damit sich der Wein dünn an der Glaswand verteilt. So erkennen Sie die Farbnuancen besser als im vollen Glas.
Achten Sie auf den Rand des Weins im Glas. Dort zeigt sich die Farbe am deutlichsten, weil die Schicht dünner ist. Bei Rotweinen sehen Sie am Rand, ob der Wein eher jugendlich violett oder bereits ins Ziegelrote tendiert. Bei Weißweinen zeigt der Rand, ob der Wein frisch und blass oder schon goldener und reifer wirkt. Diese Beobachtung hilft Ihnen, das Alter einzuschätzen, ersetzt aber keine genaue Kenntnis von Rebsorte und Jahrgang.
Was die Farbe nicht verrät
Die Farbe allein erlaubt kein Urteil über die Qualität eines Weins. Ein kräftig gefärbter Rotwein ist nicht automatisch besser als ein blasser, und ein goldener Weißwein nicht automatisch reifer oder edler. Die Farbe hängt von vielen Faktoren ab: Rebsorte, Anbaugebiet, Ausbau und Alter. Zwei Weine derselben Rebsorte können je nach Jahrgang und Kellermeister deutlich unterschiedliche Farben zeigen.
Auch die Klarheit hat Grenzen als Indikator. Ein kristallklarer Wein kann geschmacklich enttäuschen, während ein leicht getrübter Naturwein hervorragend schmeckt. Die optische Beurteilung ist ein erster Schritt, aber sie ersetzt weder das Riechen noch das Schmecken. Wer einen Wein wirklich beurteilen will, sollte alle Sinne einsetzen und die Farbe als eines von mehreren Kriterien betrachten.
