Wein

Weinwissen für den Alltag

Die meisten Weine aus dem Handel sind für den baldigen Genuss gemacht. Mit richtiger Lagerung und der passenden Serviertemperatur schmeckt jeder Wein besser.

Warum die meisten Weine keinen Keller brauchen

Nur wenige Weine sind so gemacht, dass sie über Jahre oder Jahrzehnte reifen. Die große Mehrheit, vor allem frische Weißweine, Rosés und viele einfache Rotweine, schmeckt in den ersten zwei bis drei Jahren am besten. Wenn Sie eine Flasche nicht in der prallen Sonne oder im Gefrierschrank lagern, machen Sie beim Aufbewahren kaum etwas falsch. Ein kühler, dunkler Ort wie ein Kellerraum oder ein Schrank reicht völlig aus.

Der häufigere Fehler ist das Gegenteil: Manche hochwertigen Weine werden getrunken, bevor sie reif sind. Sie schmecken dann längst nicht so gut, wie sie könnten. Wenn Sie einen besonderen Rotwein kaufen, schauen Sie auf dem Etikett oder in der Empfehlung des Händlers nach, ob die Flasche noch ein paar Jahre liegen sollte. Bei normalen Alltagsweinen brauchen Sie sich darüber keine Gedanken zu machen.

Die richtige Temperatur macht den Geschmack

Wein enthält hunderte Aromastoffe, die sich je nach Temperatur unterschiedlich entfalten. Ist der Wein zu kalt, wirken Aromen und Körper flach. Ist er zu warm, dominieren Alkohol und Säure. Die alte Regel „Rotwein bei Zimmertemperatur" stammt aus einer Zeit, in der Wohnungen etwa 18 Grad hatten. Heutige Räume sind deutlich wärmer, oft über 22 Grad. Ein Rotwein bei dieser Temperatur schmeckt schwer und alkoholisch, derselbe Wein bei 18 Grad wirkt samtig und rund.

Die optimale Temperatur hängt von der Rebsorte ab. Leichte Rotweine wie Spätburgunder oder Beaujolais vertragen kühlere Temperaturen, kräftige Rotweine etwas wärmer. Im Alltag reicht ein einfacher Trick: Stellen Sie die Flasche vor dem Öffnen kurz in den Kühlschrank, wenn der Raum warm ist, oder nehmen Sie sie bei kühler Lagerung rechtzeitig heraus. Weißwein wird oft zu kalt serviert, direkt aus dem Kühlschrank. Dann bleiben Frucht und Aroma verborgen. Zehn bis zwanzig Minuten bei Zimmertemperatur vor dem Einschenken lassen den Wein deutlich besser zur Geltung kommen.

Warum Weißwein und Rosé gerade boomen

Die Deutschen trinken heute anders als früher. Trockene Weißweine und Rosés legen zu, während Rotwein Marktanteile verliert. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts hat sich das Angebot an deutschen Rotweinen innerhalb der letzten fünfzehn Jahre fast halbiert, zugunsten von Weiß- und Roséweinen. Ein wesentlicher Grund ist der Wunsch vieler Menschen, leichter zu trinken, sowohl beim Alkoholgehalt als auch bei den Kalorien. Weißwein und Rosé kommen diesem Bedürfnis entgegen, weil sie oft weniger Alkohol haben und leichter wirken.

Für den Alltag bedeutet das: Sie müssen sich nicht nach dem Trend richten, aber Sie finden heute eine größere Auswahl an guten trockenen Weißweinen und Rosés als noch vor einigen Jahren. Wenn Sie Rotwein mögen, lohnt es, auf leichtere Stile zu achten, etwa auf Spätburgunder oder frische, kühlere Rotweine, die bei 18 Grad serviert werden. Diese Weine passen besser zu einem unkomplizierten Abendessen als schwere, alkoholreiche Rotweine.

Was Sie im Alltag konkret tun können

Kaufen Sie Wein, den Sie in absehbarer Zeit trinken wollen, und planen Sie nicht mit jahrelanger Lagerung, außer Sie haben einen ausdrücklichen Hinweis auf Lagerfähigkeit. Prüfen Sie vor dem Servieren die Temperatur: Rotwein bei 18 Grad statt bei 22 Grad, Weißwein nicht eiskalt. Stellen Sie die Flasche bei warmen Räumen kurz in den Kühlschrank, bei Weißwein nehmen Sie sie rechtzeitig heraus. Lagern Sie offene Flaschen verschlossen im Kühlschrank und trinken Sie sie innerhalb von zwei bis drei Tagen auf.

Wenn Sie unsicher sind, welche Rebsorte zu welchem Essen passt, hilft eine einfache Faustregel: Leichte Gerichte mit Fisch und Geflügel vertragen Weißwein oder Rosé, kräftige Fleischgerichte einen mittelschweren Rotwein. Bei Zweifeln fragen Sie im Fachhandel nach, die Empfehlung ist meist zuverlässiger als das Regal im Supermarkt.

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